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Emanzipierte Deponien

Ich habe keine Ahnung, wie ich im Verteiler des Sonderversands von “Ernst. Das Gesellschaftsmagazin für den Mann gelandet bin. Kurz nachher jedenfalls marschierte mein Nachbar mit seiner Ausgabe des Magazins im Arm die Stiege hinauf und meinte die Zeitschrift sei auch für Frauen lesenswert.

Wenn ein Mann sowas sagt, muss Frau natürlich sofort zu lesen anfangen. Also tat ich genau das. Und siehe da, ich stieß auf ein Interview in dem ein Mann eine Frau interviewte, die etwas feststellte, das auch auf die ehemaligen Deponien in Haag am Hausruck zutrifft (Achtung: Mensch muss mitdenken!): “Wir scheuen uns allzu oft vor der Schuld- und Verantwortungsfrage. Ich kann dem Dreh zwar etwas abgewinnen: Männer profitieren von der Emanzipation, weil sie auch unter dem Patriarchat leiden, und sie liegt deshalb in ihrem Eigeninteresse. Aber: Das ist nie die ganze Geschichte. Denn Männer müssen Macht und Privilegien abgeben – und andere Formen der Verantwortung übernehmen. Solche, die weniger soziale und ökonomische Anerkennung mit sich bringen als diejenige, mit denen sie oftmals vertraut sind. Emanzipierte Deponien weiterlesen

Vergänglich möglich

Folgendes Gedicht hab ich bei einer Lesung von Reiner Kunze in den 1990er Jahren in Wien kennengelernt.

Bittgedanke, dir zu Füßen

Stirb früher als ich, um ein weniges
früher

Damit nicht du
den weg zum haus
allein zurückgehn musst

Es verkörpert für mich die Liebe und das Leben.
Es verkörpert für mich, dass es sich lohnt, bis zum Ende zuzuhören (bzw. bis zum Ende zu lesen) – weil man oft erst dann wirklich versteht.
Es verkörpert für mich, dass man auch dann, wenn man glaubt, verstanden zu haben, doch noch nicht ganz verstanden hat.

Es verkörpert für mich, dass wir einander berühren.
Es verkörpert für mich die Liebe.

Und es erinnert mich daran, dass unser Leben – mit all seinen Möglichkeiten – ein begrenztes und flüchtiges Gut ist. Wir wissen weder, wann wir selber sterben – noch wann die Anderen sterben. Und darum möchte ich alle, die es betrifft, daran erinnern, dass sich bei jemandem zu entschuldigen nicht eine Last ist – sondern eine Entlastung. Die nur eine begrenzte Zeit lang möglich ist. Ein vergänglich möglicher Weg.

Und damit mache ich mich auf einen Weg in dem diese Website (zumindest) für einige Zeit keine so große Rolle mehr spielen wird – und auf dem doch Worte ganz gewichtig sein werden.

Zum Weiterlesen:
Meine Gedanken zu vergangenen Wegen in Haag am Hausruck:
* Tourismus an der Luisenhöhe: Offiziell abgesegneter Diebstahl (Förderungen an der Luisenhöhe 2013-2017)
* Umgang mit Altlasten und den davon betroffenen Menschen: So ein Müll