Exodus

“Leaving is only the first step to a solution; it actually takes a lot of work to build a life after that. (…) Abuse minus healing equals love.”

“Zu gehen ist nur der 1. Schritt in Richtung Lösung; es erfordert eine Menge Arbeit, sich ein Leben danach aufzubauen. (…) Missbrauch minus Heilung ergibt Liebe.

Deborah feldmann, Exodus, S. 223

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Weiterlesen “Mit Allem kommen können”

Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinaesthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, wie der durch diesen gemeinsamen Weg ausgedrückte Respekt vor der gepflegten Person bei dieser direkt ankommt. Und das freut mich. Darüber hinaus finde ich darin die Haltung wieder, die ich versuche ganz allgemein im Leben zu leben.

Wir Menschen sind ja – so nennt es Stefan Knobel – in Bezug auf die Informationsverarbeitung geschlossene Systeme. Will heißen: Wir alle verarbeiten, das was andere Menschen an uns herantragen in uns drin – jeder und jede von uns auf eine uns ganz eigene Art und Weise. Und drum ist auch nie wirklich voraussehbar, wie das Gegenüber auf das reagieren wird, was ich an ihn oder sie herantrage. Und drum ist gefragt, dass wir uns aneinander herantasten – aufeinander so reagieren, dass wir einander immer mehr finden. Und schließlich eine Lösung finden. Ja, das verlangt Energie und Zeit. Ja, es mag bequemer sein “keine Zeit” zu haben für eine Klärung oder ein Gespräch. Nur leider ist es auch destruktiv und verletzend – und man lässt sich damit die Verbundenheit entgehen, die das Mensch-Sein so erfüllend macht.