Wie Verkehr verdunstet

Was braucht es, damit Verkehr "verdunstet"? Eine der Voraussetzungen ist auf diesem Foto zu sehen.

Ich steh vor der Frage: Was mache ich mit dem Asphalt meines Ex-Parkplatzes an der Haager Luisenhöhe? Wäre es nicht nett, wenn dieser Asphalt einfach verdunstet? Das ist gar nicht so absurd, wie es klingt. Autoverkehr – wegen dem wir den meisten Asphalt haben – kann nämlich bei Verkehrseinschränkungen tatsächlich verschwinden. Der Effekt – der als Verkehrsverdunstung bezeichnet wird – wurde 2022 in einer vierjährigen Doktorarbeit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) bestätigt und 2023 nochmals an einer Fachhochschule vertieft untersucht.

Wenn ein Problem auftritt, dann ist das immer auch die Chance, dafür zu sorgen, dass es gelöst wird.

Wenn ich also feststelle: Ich hab einen Haufen Asphalt und der macht nur Probleme. Dann liegt für mich nahe, dafür zu sorgen, dass solche Haufen nicht mehr entstehen. In anderen Worten: Zu schauen, dass weniger zu-asphaltiert wird.

Das Tolle dran ist: Das löst nicht nur mein Asphalt-Entsorgungs-Problem. Weniger Versiegelung hilft uns allen zusätzlich bei der Erreichung ganz vieler Ziele, wie z.B.: Sicherstellung unserer Ernährung, Erhaltung der Biodiversität und nachhaltige Mobilität.

Aber geht das denn überhaupt: Weniger Straßen bauen. Wo soll denn dann der ganze Verkehr hin? Ganz einfach: Verdunsten.

Es ist nämlich so: Bei Einschränkungen des Autoverkehrs weicht ein Teil auf andere Strecken oder Verkehrsmittel aus. So weit, so erwartet. Spannend aber ist: Ein anderer Teil verschwindet einfach ganz. Unter gewissen Voraussetzungen.

Das Phänomen ist schon länger bekannt, wurde in den letzten Jahren für den städtischen Verkehr nochmals genauer untersucht und bestätigt. Zuerst von Pauline Hosotte, in einer vierjährigen Forschungsarbeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne – die im Jahr 2022 veröffentlicht wurde. Und dann 2023 von Marc Vetterli, in einer Vertiefungsarbeit der Ostschweizer Fachhochschule (OST).

Beide Forscher:innen schauten sich an, was denn die entscheidenden Faktoren dafür sind, dass Verkehr wirklich verschwindet. Sie empfehlen, die Verkehrsverdunstung bereits bei der Planung von Bauarbeiten die Verkehrsverdunstung aktiv mitzudenken.

Wie aber kann man denn Verkehrsverdunstung fördern? Wichtig ist erstens eine rechtzeitige Information über Verkehrseinschränkungen. So haben die Verkehrsteilnehmer:innen genug Zeit haben, Alternativen zu suchen. Wichtig ist auch das Angebot guter Alternativen im Bereich öffentlicher Verkehr oder Langsamverkehr. Wenn so vorgegangen wird, so können Verkehrseinschränkungen nicht zur während Bauarbeiten sondern sogar zu eine längerfristig zu einer Verhaltensänderung mit weniger Autoverkehr führen.

Die Studien wurde für städtische Gebiete durchgeführt und sind damit nicht einfach auf ländliche Gebiete übertragbar. Nichtsdestotrotz gilt auch hier: Ständig steigender Autoverkehr ist kein Naturgesetz. V.a. aber gilt: Lösungen erfordern eine Erweiterung des Horizonts.

Quellen und zum Weiterlesen:

SVI-Fachtagung Forschung 2023: Verkehrsverdunstung, Erschliessungsqualitäten und sichere Veloinfrastrukturen, mobilservice.ch, 4.10.2023

Verkehr verdunstet. In: umverkehRen Nr. 137, März 2023, S.13

L’évaporation du trafic, opportunités et défis pour la mobilité d’aujourd’hui et demain (Doktorarbeit zur Verkehrsverdunstung, mit englischer Zusammenfassung). Hosotte, Pauline Geneviève Thérèse. EPFL. 2022

https://www.zentralplus.ch/verkehr-mobilitaet/weniger-strassen-fuehren-zu-weniger-stau-nicht-umgekehrt-2592799

https://www.mobilservice.ch/de/news/news-dossiers/svi-fachtagung-forschung-2023-3017.html

https://www.mobilservice.ch/de/news/news-dossiers/neue-studie-ueber-verkehrsverdunstung-2862.html

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