Vergänglich möglich

Folgendes Gedicht hab ich bei einer Lesung von Reiner Kunze in den 1990er Jahren in Wien kennengelernt.

Bittgedanke, dir zu Füßen

Stirb früher als ich, um ein weniges
früher

Damit nicht du
den weg zum haus
allein zurückgehn musst

Es verkörpert für mich die Liebe und das Leben.
Es verkörpert für mich, dass es sich lohnt, bis zum Ende zuzuhören (bzw. bis zum Ende zu lesen) – weil man oft erst dann wirklich versteht.
Es verkörpert für mich, dass man auch dann, wenn man glaubt, verstanden zu haben, doch noch nicht ganz verstanden hat.

Es verkörpert für mich, dass wir einander berühren.
Es verkörpert für mich die Liebe.

Und es erinnert mich daran, dass unser Leben – mit all seinen Möglichkeiten – ein begrenztes und flüchtiges Gut ist. Wir wissen weder, wann wir selber sterben – noch wann die Anderen sterben. Und darum möchte ich alle, die es betrifft, daran erinnern, dass sich bei jemandem zu entschuldigen nicht eine Last ist – sondern eine Entlastung. Die nur eine begrenzte Zeit lang möglich ist. Ein vergänglich möglicher Weg.

Und damit mache ich mich auf einen Weg in dem diese Website (zumindest) für einige Zeit keine so große Rolle mehr spielen wird – und auf dem doch Worte ganz gewichtig sein werden.

Zum Weiterlesen:
Meine Gedanken zu vergangenen Wegen in Haag am Hausruck:
* Tourismus an der Luisenhöhe: Offiziell abgesegneter Diebstahl (Förderungen an der Luisenhöhe 2013-2017)
* Umgang mit Altlasten und den davon betroffenen Menschen: So ein Müll

Heimat ohne Natur?

ÖVP und FPÖ werben gerne damit, dass sie 1. die Heimat schützen und 2. gegen überbordende Bürokratie kämpfen. Wenn ich mich in Informationen zur Novelle des oberösterreichischen Naturschutzgesetzes einlese, dann scheint mir, dass es eher umgekehrt ist: Man muss die Heimat vor ÖVP und FPÖ und ihrem unnötigen Verwaltungsaufwand schützen – sonst gibt es sie nämlich bald nicht mehr (die Heimat mein ich).

Worum geht es denn da genau? Der Entwurf sieht ein neues, eigenes Anerkennungsverfahren für Umweltorganisationen vor. Dieses bedeutet einen enormen zusätzlichen Verwaltungsaufwand für alle Naturschutz- und Alpinorganisationen, selbst wenn diese – wie z.B. Naturschutzbund, Alpenverein oder Naturfreunde – bereits seit Jahrzehnten bestehen und auf Bundesebene nach dem UVP-Gesetz (Umweltverträglichkeits-Prüfungsgesetz) anerkannt sind.

Erst jüngst wurde nämlich mit der Novelle 2018 des UVP-Gesetzes bereits eine Verschärfung der Anerkennungskriterien und ein dreijähriger Überprüfungsmodus für nichtstaatliche Organisationen (NGOs) eingeführt. Laut den in Oberösterreich geplanten Bestimmungen müssten diese großteils ehrenamtlichen Organisationen ihre Gemeinnützigkeit nun ein weiteres Mal alle drei Jahre durch Bestätigung eines Wirtschaftsprüfers oder -treuhänders nachweisen. Dieses bedeutet erstens zusätzliche Kosten, d.h. Geld, das dann nicht für Naturschutz verwendet werden kann. Und zweitens bringt auch massive Unsicherheiten für jede einzelne Umweltorganisation, ob ihre Anerkennung in Oberösterreich auch weiterhin aufrecht bleibt.

Besonders tragisch finde ich Folgendes: Für die Anerkennung wird ausdrücklich die „ausschließliche“ und unmittelbare Förderung des Natur- und Artenschutzes verlangt. Das trifft z.B. Organisationen wie Alpenverein oder Naturfreunde oder BirdLife Österreich. Diese kümmern sich neben dem Naturschutz auch noch um andere Aufgaben, wie die Förderung des Bergsteigens, Jugendarbeit, Forschungs- oder Bildungsaufgaben. Ich frage mich: Sieht so die Wertschätzung der derzeitigen Regierungsparteien für gesellschaftliches Engagement – insbesondere auch für Jugendarbeit – aus?

Bedenklich ist für mich auch, dass durch die geplante Novelle die Parteistellung der Umweltanwaltschaft als Vertreterin von Natur- und Umweltinteressen zurückgedrängt wird. Das ist deswegen problematisch, weil die Umweltanwaltschaft eine “Grundversorgung” gewährleistet:
Sie ist Partei in tausenden einschlägigen Behördenverfahren in ganz Oberösterreich und im Vorfeld dieser Verfahren Nahtstelle zwischen einerseits Bürgern & NGOs und andrerseits Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Gemäß Umweltanwaltschaft kann gerade durch letzteres vieles ausgeredet und eventuell auch ausgestritten werden und mit dem dabei erzielten Konsens anschließend das erstinstanzliche Verfahren einfach und schnell erledigt werden. Ich finde: Dieses lösungsorientierte Miteinander gehört unbedingt erhalten.

Dazu kommt, dass das Gesetz auch aus Sicht der mir sehr am Herzen liegenden Wälder und naturnahen Fließgewässer sehr bedenklich ist: So soll der Bau von Forststraßen künftig in weiten Teilen ohne Einbeziehung des Naturschutzes erfolgen und der Uferschutz bei Seen und Fließgewässern stark aufgeweicht werden.

Insgesamt ist diese Novelle für mich sowohl aus Naturschutzsicht als auch aus demokratiepolitischer Sicht sehr bedenklich und spiegelt – leider – für mich genau den Zugang wieder, den die Parteien ÖVP und FPÖ zu diesen beiden Themen haben.

Quellen und zum Weiterlesen:

Umweltanwälte kritisieren “Foul gegen die Natur” in Oberösterreich (Der Standard, 22. Jänner 2019, abgerufen am 20.02.2019)
Umweltdachverband kritisiert Anerkennungsverfahren im OÖ Naturschutzgesetz (31. Jänner 2019, abgerufen am 18.02.2019)
Umweltdachverband zur OÖ Naturschutzgesetzovelle: Beschämende Demontage der Umweltanwaltschaft (APA-OTA, 15.01.2019, abgerufen am 20.02.2019)

Gegenwart

von reiner kunze

“Was ich verwahre hinter schloss und siegel?

Keine konspiration nicht einmal
pornografie

Vergangenheit, tochter

Sie zu kennen kann
die zukunft kosten.”

Ich empfinde es als ganz wichtig, die Vergangenheit zu erkunden. Hinzuschauen und zu sagen: Das ist passiert. Nicht um jemand schlecht zu machen. Sondern um zu sagen: So war er. Und so war sie.

Gedicht aus: “zimmer-lautstärke”, reiner kunze, Fischer Taschenbuch Verlag, 1977

Das Befinden

von Franz Hohler

“Wie geht es Dir?” fragte die Trauer die Hoffnung.
“Ich bin etwas traurig”, sagte die Hoffnung.
“Hoffentlich”, sagte die Trauer

Franz Hohler hat 2011 die Bewegung gegen neue Atomkraftwerke in der Schweiz , in der ich mich damals sehr stark engagierte mit seinen Worten unterstützt. Dies gab mir sehr viel Hoffnung – in einer Zeit in der ich gleichzeitig sehr traurig darüber war, was in Fukushima passiert war.

Kurzer Text in Kursiv aus: Die Blaue Amsel, Franz Hohler, Luchterhand, 1995, S. 92

Verantwortung übernehmen statt Gutes tun

Eigenverantwortung wahrnehmen – in farbenfrohen Schritten

“Wie, die wir zu den Begünstigten in der Welt gehören,
versäumen unsere erste Pflicht,
wenn wir nicht alles, was uns nur möglich ist, tun,
um den Kampf gegen Hunger und Elend zu führen,
der zugleich der Kampf für die Recht und Würde des Menschen ist.”
aus: “Erklärung von Bern”, 1968

Dieser Auszug aus dem Gründungstext der schweizerischen Organisation “Public Eye” spiegelt genau meine Lebenshaltung wieder: Wenn ich zu einer gerechteren Welt beitragen will, dann muss ich nicht “Gutes Tun” oder “Hilfe leisten”, sondern: Mein Beitrag hat dann die grösste Wirkung, wenn ich genau hinschaue, wo ich selber für Ungerechtigkeiten mitverantwortlich bin. Und dann das in meiner Macht liegende tue, um etwas gegen diese Ungerechtigkeiten zu unternehmen. Anders gesagt: Indem ich Verantwortung für mein Leben und Handeln übernehme.

Das ist voll cool, denn es heißt: Ungerechtigkeit ist nicht etwas Unveränderliches, das ich hinnehmen muss und höchstens durch Almosen lindern kann. Sie ist vielmehr die Folge von Strukturen, die ich beeinflussen kann, wenn ich aktiv werde. Ich kann die Welt verändern – zumindest ein Stück weit. Und genau das versuche ich. Einerseits im Alltag beim Einkaufen von Essen, Kleidung, Putzmitteln etc. Und andrerseits bei längerfristigen Entscheiden wie durch die Wahl meines Arbeitsplatzes, meines Wohnorts und der Menschen mit denen ich mich umgebe.

Zum Weiterlesen:
Website der Organisation Public Eye

Die Freiheit der Andersdenkenen

“(…) ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer ›das laut zu sagen, was ist‹.
Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg

Ich wurde vor ein paar Tagen angefragt, ob ich bei einer -Rosa-Luxemburg-Veranstaltung als Übersetzerin aushelfen kann. Ich tat, was ich in so Fällen immer tue: Ich las mich ein. Und stellte dabei fest: Das was Rosa Luxemburg schrieb und vertrat ist erstaunlich aktuell.

Vor allem aber stellte ich überrascht fest: Diese Frau hat ja Die Freiheit der Andersdenkenen weiterlesen

Wer nichts hat, dem nehme man?

Österreich ist eines der Länder mit der grössten Ungleichheit in der Verteilung des privaten Vermögens: Die unteren 50% (!) besitzen nur 4% des Vermögens – die oberen 1% ein Viertel. Umso wichtiger ist somit für die Mehrheit der Bevölkerung ein hohes öffentliche Vermögen bzw. ein starker Sozialstaat. Dies ermöglicht nämlich einen gewissen Ausgleich der großen Ungleichheiten im Privatvermögen.

Für mich liegt angesichts dieser Zahlen Folgendes auf der Hand:: Es ist im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, dass Wer nichts hat, dem nehme man? weiterlesen

Wer zu Hause bleibt

Kämpfen heißt für mich: mich gewaltfrei für meine Werte einsetzen

Wer zu Hause bleibt
von Bertold Brecht

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt
Und lässt andere kämpfen für seine Sache
Der muss sich vorsehen: denn
Wer den Kampf nicht geteilt hat
Der wird teilen die Niederlage.
Nicht einmal den Kampf vermeidet
Wer den Kampf vermeiden will: denn
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

Englisch für den Winter

Sable = englisch für Zobel  = ein Tier das mit dem Baummarder verwandt ist. Bekannt ist er vor allem aufgrund des für Pelzbekleidung verwendeten Zobelfells.

Warum schreib ich das? Nun: Es ist grad Winter. Im Winter ist es kalt. Und es ist Weihnachten. Und zu Weihnachten werden Geschenke verschenkt und Weihnachtslieder gespielt, wie “Es wird scho glei dumpa” oder “Santa Baby”. Und in Letzterem kommt doch glatt ein Zobel vor, den der Weihnachtsmann Englisch für den Winter weiterlesen