Heimkehr ist der grösstmögliche Kulturschock. Es wäre für alle Beteiligten besser, die Rückreise würde Fremdkehr genannt.
Iilja Trojanow in: Nach der Flucht. S. 79.
Wo ist Heimat? Wo kommen wir an? Wohin kehren wir zurück? Als wer? Das sind Fragen, die sich wahrscheinlich nur die stellen, die das Land in dem sie geboren haben verlassen haben. Besonders schwierig zu beantworten sind diese Fragen sicher für geflüchtete Menschen.
„Remigration“ – das hört sich so harmlos und einfach an. Ist aber das Gegenteil. Darum finde ich dieses Wort auch so gefährlich. Was wir brauchen ist nicht die Forderung das andere Menschen weggehen sollen – sondern die Bereitschaft, dass wir uns alle auf einen gemeinsamen Weg machen.
Integration betrifft immer alle Beteiligten. Wir alle sind gefragt, den Blick nicht auf Trennendes zu richten – sondern auf Gemeinsamkeiten.
Es braucht Mut, auf dem Acker, wo man gejätet wurde, wieder Wurzeln zu schlagen. Täglich erinnert der Fremdkehrer die Festgewurzelten daran, dass es Alternativen gab zum Kuschen, zum Erdulden, zum Kopf-Einziehen; zur Gülle, der sie sich ergeben haben. Sonntäglich stört er die Friedhofsruhe der Scheinlebenden. Es braucht Kraft, nirgendwo willkommen zu sein.
Ilja Trojanow in: Nach der Flucht. S. 82-83
Integration, das bedeutet für mich: Alle haben einen wertgeschätzten Platz – unabhängig von Alter, Hautfarbe, Beeinträchtigungen, Religion, handwerklicher (Un)Geschicklichkeit, intellektueller Begabung und all den anderen Facetten, die uns als Menschen ausmachen. Integration ist nicht immer einfach. Aber es führt kein Weg um sie herum.
Wir können Integration nicht ausweichen, ohne andere Menschen auszugrenzen. Ich möchte eingrenzen – daran mitwirken, dass wir alle Teil einer vielfältigen Gemeinschaft sind. Es ist mir ein Bedürfnis, dass alle Menschen ein Daheim haben – heimkehren können.
Ilja Trojanow wurde 1965 in Sofia (Bulgarien) geboren und floh 1977 mit seiner Familie nach Deutschland. Er lebte danach neben Deutschland auch in Kenia, Frankreich, Indien und Südafrika und lebt heute in Wien.
Er zählt für mich zu den Autor:innen, die am eindrücklichsten beschreiben, was Migration bedeutet.
Quellen
Nach der Flucht. Ilja Trojanow. S. Fischer. 2017
Ilja Trojanow. Wikipedia. Abgerufen am 12.12.2025
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