Archiv der Kategorie: Anders sein (dürfen)

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Mit Allem kommen können weiterlesen

Ich hatte keine Zeit

“”Ich musste es tun”, Ich hatte keine andere Wahl”, “Befehl von oben”, “Ich hatte keine Zeit”, “Das haben wir schon immer so gemacht”, “Weil es das Gesetz so will” – jegliche Versuche, die eigene Verantwortung zu verweigern, nenne ich Amtssprache.”

Marshall B. Rosenberg

Ich gestalte mein Leben so, dass ich meine Zeit dem widme was mir wichtig ist. In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass einerseitsmeine Mitmenschen darauf unterschiedlich reagieren und dass zweitens ich selber immer mehr dazu stehen kann wofür ich mir Zeit nehme – also immer weniger Amtssprache brauche.

Meine Erfahrung ist: Menschen die klar wissen, was ihnen im Leben wichtig ist und dem genug Platz in ihrem Leben einräumen können mich gut so stehenlassen wie ich bin. Dabei ist völlig egal, ob das was ich wichtig finde für sie auch wichtig ist, sondern: Sie haben die Verantwortung für ihr Leben übernommen und darum stört es sie auch nicht wenn ich dasselbe für mein Leben machen. Mein Anspruch an mich ist, dass mir das umgekehrt genauso gelingt.

Menschen, die ihr Leben nach dem ausrichten “was man tun soll” bzw. nach dem was andere von ihnen erwarten (es ihnen recht machen wollen) – haben mit mir oft ein Problem. Ich konfrontiere sie nämlich – so meine Interpretation – damit, dass sie sich für Dinge, die ihnen wichtig sind, keine bzw. nicht genug Zeit nehmen – bzw. damit, dass sie sich womöglich nicht mal die Zeit nehmen/genommen haben, rauszufinden, was es ist bzw. wäre, dass ihnen persönlich wichtig ist. Im Kontakt mit mir bricht dann – so wieder meine Interpretation – der daraus entstehende Frust heraus – in Form von persönlichen Angriffen gegen mich.

Ein konkretes Beispiel: Mir ist wichtig, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens teilhaben können. Dafür ist mir wichtig, dass Informationen transparent zugänglich sind und dass wenn diesbezüglich Fehler passieren, die dafür Verantwortlichen das ernst nehmen und ihren Fehler nicht zu verstecken versuchen oder versuchen, ihn herunterzuspielen. Als die Einladung für die Gemeinderatssitzung vom 13.6.2019 in Haag am Hausruck nicht aufgehängt wurde, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, war das für mich etwas, dass den transparenten, gleichberechtigten Zugang zu Informationen beeinträchtigt. Darum hab ich mir Zeit hierfür genommen und blieb in Haag am Hausruck bis die entsprechende Gemeinderatssitzung stattfand. Als die Verantwortlichen dort diesen Fehler übergingen (in den einleitenden Worten des Bürgermeisters zur Gemeinderatssitzung wurde der sonst übliche Satz zum ordnungsgemäßen Aushang “einfach” nicht erwähnt), habe ich selber auf den fehlenden Aushang hingewiesen. Weil mir eben Transparenz wichtig ist. Das führte dann dazu, dass Bürgermeister Konrad Binder eine Teil-Verantwortung übernahm und den Fehler öffentlich verkündete. Was mich wieder mal in meiner Einschätzung bestätigte, dass er ein Mensch ist, der aus Fehlern lernen kann. Leider hat er gleichzeitig den gemachten Fehler heruntergespielt (indem er ihn als Formfehler bezeichnete, was harmloser klingt, als das was wirklich passiert ist). Das fand ich nicht ok und habe es angesprochen. Das endete dann in einem persönlichen Angriff gegen mich. In anderen Wort: Ich bin dazu gestanden – unter sehr schwierigen Umständen – dass ich mir für etwas Zeit nehme, weil es mir wichtig ist. Ich hab meine Verantwortung wahrgenommen und mich nicht hinter Amtssprache versteckt – obwohl ich auf einem Amt war ;) Leider war die Reaktion darauf sehr amtssprachig. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Find ich.

Quelle Zitat: Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation. Ein Gespräch mit Gabriele Seils, 15. Auflage, 2012, S.38

Emotionale Unterstützung

Wie es Menschen mit mir geht – in Briefform

Ich bin ein Mensch der genau hinschaut und dann sagt, was ich sehe. Das ist nicht immer einfach – weder für mich, noch für die Anderen. Ich kann verstehen, dass es überfordert und man versucht ist diese Überforderung damit zu erklären, dass man sagt: “Es geht eh allen gleich mit dir.” Nur: Es stimmt nicht. Es geht Menschen schlicht und einfach unterschiedlich mit mir. Weil das was ich bin immer auf das trifft was mein Gegenüber ist. Um das zu illustrieren habe ich am 11. und 12. August 3 Briefe auf meinem Parkplatz aufgehängt, in dem 3 Menschen die mich näher kennen schildern, wie es ihnen mit mir geht.

Ich denke, es führt für Menschen, die ein Problem mit mir haben kein Weg darum herum, sich zu fragen: Warum hab ich denn so ein Problem mit der Renate? Was für ein Bedürfnis, das ich habe wird denn da nicht erfüllt? Und: Gibt es einen Weg, wie ich es erfüllen kann?

Und für mich führt kein Weg darum, mich zu fragen: Was mach ich denn, wenn ich mit Aussagen über mich konfrontiert werde, die meine Grenzen verletzen? Wie kann ich mir die Hilfe holen, die ich brauche um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Und als ich mich das nach einem Vorfall in Haag am Hausruck am 14. Juni 2019 – bei dem ich mir vorkam als sei ich soeben zum Freiwild erklärt worden, mit dem man umgehen kann, wie man will – fragte, da kam raus: Ich brauche emotionale Unterstützung. Worte von Menschen, die sagen: Wir erleben Renate als wertvoll. Und ich kam auf die Idee, Emotionale Unterstützung weiterlesen

Widersprüche aushalten

“(…) es ist etwas sehr Lebensfreundliches, Widersprüche auszuhalten. Was nicht heisst, dass man sie akzeptiert. Es heisst nur, dass man sie nicht einfach leugnet oder mit Gewalt zu beseitigen versucht.”

Juliane Liebert – Autorin und Journalistin

Kühner

Letztens war ich im Zuge meines derzeitigen Praktikums – in dem ich mit Menschen mit Unterstützungsbedarf arbeite – in einem Café. Dort wurde mein Getränk auf einem Blatt mit folgendem Spruch serviert:

“Kühner
als das Unbekannte zu erforschen
kann es sein,
Bekanntes zu bezweifeln” Kühner weiterlesen

Land Oberösterreich = Schandfleck des Jahres 2016


"Am 20. Februar 2017 wurde im Rahmen einer feierlichen Gala der „Schandfleck des Jahres 2016“ verliehen. Mehrere Wochen lang wurde per Internet abgestimmt, wer dieses Jahr den Schmähpreis erhält. (...)  Land Oberösterreich = Schandfleck des Jahres 2016 weiterlesen