Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Weiterlesen “Mit Allem kommen können”

… und ich komme sehr oft dazu

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Ich habe 24h/Tag Zeit. Und in dieser Zeit versuche ich, das zu leben, was mir wichtig ist. Das gelingt mir nicht immer. Umso mehr freut es mich, wenn ich es schaffe.

Ödön von Horvath (der Autor des Buches “Jugend ohne Gott”) hat mal gesagt:
“Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.”
Und damit etwas ausgedrückt, was meinem Eindrucks nach immer noch gilt: Wenn mensch immer was zu tun hat und gestresst ist – dann entschuldigt das für viele, dass wir Dinge nicht tun, die wir angeblich tun möchten – sein möchten. Wir wären eigentlich alle ganz anders…

Ich hab mich gefragt: Und was hindert mich daran, wirklich anders zu sein? Und hab festgestellt, dass es da durchaus so einige Hindernisse gibt. Und dass sehr viel damit zusammenhängt, mit welchen Menschen ich mich umgebe. So wähle ich mit Bedacht mein Umfeld aus: Eines, dass mich darin unterstützt, möglichst oft so zu sein, wie ich bin.

Und das führt dazu, dass ich – und das freut mich sehr! – mittlerweile sagen kann:
“Tatsächlich bin ich ganz anders, und ich komme immer öfter dazu.” :)

Mobbing

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“Der Knackpunkt einer opferbezogenen Sichtweise wird auch daran deutlich, dass sogar Opfer in Mobbingsituationen fälschlicherweise immer wieder die Schuld bei sich suchen und immer wieder erfolglos probieren sich zu ändern, vermeintlich anzupassen, anders zu verhalten oder gar anzubiedern. Das ist nutzlos. Egal wie sich das Opfer auch verhalten wird, den Mobbingprozess wird es kaum durchbrechen, weil es dem/der Täter/in und Gehilfen, sowie allen anderen, gar nicht um Verhaltensänderung beim Opfer geht. (…)

Aus: Mobbing. Ein Praxis- und Methodenhandbuch. Zweite, neubarbeitete und erweiterte Auflage, von Nicole Marjo Gerlach, 2009, IBSN 978-3-00-027273-8l, Gewaltakademie Villigst

Anders… störend?

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Empfinden wir die in einem Konflikt zu Tage getretene Unterschiedlichkeit zum Gegenüber als normal und können wir sie akzeptieren? Können wir uns in die konkrete Situation des anderen hineinversetzen? Sind wir in der Lage auch die Wünsche und Bedürfnisse unseres Konflitkpartners zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden? Falls ja, dann setzen wir uns “konstruktiv” auseinander. Wir versuchen den Konflikt zu bearbeiten und können so ein Gleichgewicht wiederherstellen in dem sich besser “leben” und miteinander umgehen lässt.

Empfinden wir die Unterschiedlichkeit hingegen als störend, ärgerlich, nervenaufreibend  oder gar bedrohlich? Haben wir das Bedürfnis den anderen zu ändern? Versuchen wir ihn zu überzeugen oder gar zu besiegen? Akzeptieren wir die Meinung des anderen nicht? Ist unsere Standpunkt der bessere? Wollen wir Recht haben und gewinnen? Dann führen wir einen Machtkampf. Die Mittel zum Sieg führen meist zu Verletzungen auf beiden Seiten. Hier geht es nicht mehr darum, ein Gleichgewicht herzustellen, sondern ein Ungleichgewicht zu Gunsten eines Siegers zu verfestigen.

 Aus: Mobbing. Ein Praxis- und Methodenhandbuch. Zweite, neubarbeitete und erweiterte Auflage, von Nicole Marjo Gerlach, 2009, IBSN 978-3-00-027273-8l, Gewaltakademie Villigst