Zu-Reden

zu mir reden 

statt

mir zu-zuhören

und

über mich reden

statt 

mit mir.

 

keine zeit haben

mit mir zu reden

und gleichzeitig mit anderen

über mich reden

und sich

mit ihnen – die auch nicht mit mir geredet haben,

sondern ebenfalls zu mir –

einig sein

dass man mit mir nicht reden kann.

 

renate, 30.7.2020

Mit ohne

“Ich wollte Lola als Freundin behalten. Weil sie mir wichtig war. Weil sie etwas Besonderes war. Weil ohne sie in meinem Leben etwas fehlte. Aber dazu musste ich ihr verzeihen. Und wie sollte ich ihr verzeihen, wenn wir uns gar nicht aussprachen? So gab sie mir ja nicht einmal die Chance dazu”.

Agneta Melzer “borderline. Ein Jahr mit ohne Lola. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft”

Der Auszug aus dem Buch, das ich gestern in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden hab, hat mich an mein Leben erinnert. Ich habe in den letzten Jahren sehr vielen Menschen die Chance gegeben, sich mit mir auszusprechen. Manche haben sie genutzt. Andere nicht.

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Weiterlesen “Mit Allem kommen können”

Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinaesthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, wie der durch diesen gemeinsamen Weg ausgedrückte Respekt vor der gepflegten Person bei dieser direkt ankommt. Und das freut mich. Darüber hinaus finde ich darin die Haltung wieder, die ich versuche ganz allgemein im Leben zu leben.

Wir Menschen sind ja – so nennt es Stefan Knobel – in Bezug auf die Informationsverarbeitung geschlossene Systeme. Will heißen: Wir alle verarbeiten, das was andere Menschen an uns herantragen in uns drin – jeder und jede von uns auf eine uns ganz eigene Art und Weise. Und drum ist auch nie wirklich voraussehbar, wie das Gegenüber auf das reagieren wird, was ich an ihn oder sie herantrage. Und drum ist gefragt, dass wir uns aneinander herantasten – aufeinander so reagieren, dass wir einander immer mehr finden. Und schließlich eine Lösung finden. Ja, das verlangt Energie und Zeit. Ja, es mag bequemer sein “keine Zeit” zu haben für eine Klärung oder ein Gespräch. Nur leider ist es auch destruktiv und verletzend – und man lässt sich damit die Verbundenheit entgehen, die das Mensch-Sein so erfüllend macht.

Offen – dank starker Identität

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr Menschen durch einwandernde Menschen in ihrer Identität geschüttelt werden. Ich hingegen erlebe Menschen aus anderen Kulturen als herausfordernde Bereicherung. Wie kommt das – so frage ich mich immer wieder.

Nun bin ich auf eine Spur gestoßen, warum dies so sein könnte und zwar – ganz unerwartet – in Weiterlesen “Offen – dank starker Identität”