Archiv der Kategorie: Lebens-Gedanken

Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinarsthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, Fehlerkorrekturwesen weiterlesen

Offen – dank starker Identität

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr Menschen durch einwandernde Menschen in ihrer Identität geschüttelt werden. Ich hingegen erlebe Menschen aus anderen Kulturen als herausfordernde Bereicherung. Wie kommt das – so frage ich mich immer wieder.

Nun bin ich auf eine Spur gestoßen, warum dies so sein könnte und zwar – ganz unerwartet – in Offen – dank starker Identität weiterlesen

Ich hatte keine Zeit

“”Ich musste es tun”, Ich hatte keine andere Wahl”, “Befehl von oben”, “Ich hatte keine Zeit”, “Das haben wir schon immer so gemacht”, “Weil es das Gesetz so will” – jegliche Versuche, die eigene Verantwortung zu verweigern, nenne ich Amtssprache.”

Marshall B. Rosenberg

Ich gestalte mein Leben so, dass ich meine Zeit dem widme was mir wichtig ist. Spannend ist, wie meine Mitmenschen darauf reagieren.

Menschen die auch klar wissen, was ihnen im Leben wichtig ist und dem genug Platz in ihrem Leben einräumen können mich gut so stehenlassen wie ich bin. Dabei ist völlig egal, ob das was ich wichtig finde für sie auch wichtig ist, sondern: Sie haben die Verantwortung für ihr Leben übernommen und darum stört es sie auch nicht wenn ich dasselbe für mein Leben machen.

Menschen, die ihr Leben nach dem ausrichten “was man tun soll” – haben mit mir oft ein Problem. Ich konfrontiere sie nämlich Ich hatte keine Zeit weiterlesen

Verantwortung übernehmen statt Gutes tun

Eigenverantwortung wahrnehmen – in farbenfrohen Schritten

“Wie, die wir zu den Begünstigten in der Welt gehören,
versäumen unsere erste Pflicht,
wenn wir nicht alles, was uns nur möglich ist, tun,
um den Kampf gegen Hunger und Elend zu führen,
der zugleich der Kampf für die Recht und Würde des Menschen ist.”
aus: “Erklärung von Bern”, 1968

Dieser Auszug aus dem Gründungstext der schweizerischen Organisation “Public Eye” spiegelt genau meine Lebenshaltung wieder: Wenn ich zu einer gerechteren Welt beitragen will, dann muss ich nicht “Gutes Tun” oder “Hilfe leisten”, sondern: Mein Beitrag hat dann die grösste Wirkung, wenn ich genau hinschaue, wo ich selber für Ungerechtigkeiten mitverantwortlich bin. Und dann das in meiner Macht liegende tue, um etwas gegen diese Ungerechtigkeiten zu unternehmen. Anders gesagt: Indem ich Verantwortung für mein Leben und Handeln übernehme.

Das ist voll cool, denn es heißt: Ungerechtigkeit ist nicht etwas Unveränderliches, das ich hinnehmen muss und höchstens durch Almosen lindern kann. Sie ist vielmehr die Folge von Strukturen, die ich beeinflussen kann, wenn ich aktiv werde. Ich kann die Welt verändern – zumindest ein Stück weit. Und genau das versuche ich. Einerseits im Alltag beim Einkaufen von Essen, Kleidung, Putzmitteln etc. Und andrerseits bei längerfristigen Entscheiden wie durch die Wahl meines Arbeitsplatzes, meines Wohnorts und der Menschen mit denen ich mich umgebe.

Zum Weiterlesen:
Website der Organisation Public Eye

Einwandfreies Vorleben?

Letzte Woche habe ich mich bei einer Stelle beworben, wo ein einwandfreies Vorleben verlangt wurde. Das hat bei mir die Frage aufgeworfen: Was heisst denn ein einwandfreies Vorleben für mich?

Und da bin ich erstens draufgekommen, dass ich glaub, dass niemand völlig einwandfrei lebt. Die Formulierung also falsch ist. Wir machen alle Fehler. Ich persönlich find’s nicht zielführend jemand deswegen seine Zukunft zu verbauen. Ich möchte vielmehr eine Art des Zusammenlebens fördern, wo Lernen aus Fehlern – die wir ja alle machen – belohnt wird.

V.a. aber stellte ich mir folgende Frage: Einwandfreies Vorleben? weiterlesen

Nichts falsch

“”Ich habe”, sagte er, “im Leben viele Fehler gemacht. Aber nichts falsch.”

Aus: Ich nicht. Erinnerungen an einer Kindheit und Jugend, Joachim Fest, Rowolth, 2006 (einem Buch mit Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, das ich in der Gratis-Bücherkiste auf dem Foto oben gefunden hab).

 

Ich find auch: Fehler machen ist erlaubt. Wichtig ist, daraus zu lernen – damit man sein Leben trotz Fehler insgesamt richtig lebt. Das wirft die Frage auf: Was ist nun richtig? Für mich ist richtig, das zu tun, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und dafür ist es wichtig, mich für die zu interessieren, die von meinem Handeln betroffen sind. Mir Zeit zu nehmen. Um mir Wissen anzueignen. Zuzuhören. Zu überlegen. Und Entscheidungen zu treffen. Für die ich dann später die Verantwortung übernehme.

 

Lästige Sorgen

Wenn man sich vorschreiben lässt, was sich gehört (z.B. wie lang man am Morgen ausschläft oder eben nicht, was frau anzieht und was mann, etc.), dann werden einem nicht nur lästige Sorgen und Entscheidungen abgenommen – sondern auch die Verantwortung für sich selbst. Das hat seinen Reiz. Denn dann muss man sich mit ebendieser Verantwortung nie beschäftigen bzw. kann ihr ausweichen.

Das Problem an einer solchen Lebenshaltung ist: Wenn ich die Verantwortung für mein eigenes Leben abgebe – anstatt mein Verhalten an den realen Auswirkungen meines Verhaltens zu messen – dann droht mir die Gefahr des Realitätsverlustes.

Die Realität konfrontiert uns mit den Folgen unseres Handelns. Sie konfrontiert uns mit uns selber – mit unserer Verantwortung. Darauf kann ich reagieren, in dem ich Lästige Sorgen weiterlesen

Aufstehen – und leuchten

Diesen Text hab ich am 30. Juli 2015 geschrieben und vor 2h versehentlich veröffentlicht. Als ich das grad vorhin bemerkte, hab ich den Text durchgelesen und festgestellt: Der ist ja gar nicht so schlecht und ausserdem noch voll aktuell. Drum bleibt er jetzt einfach öffentlich – garniert mit einem diesen Sommer geschossenen Foto von einem schwarzen Schwänlein, dass ganz tapfer-wackelig durch den Zürichsee paddelt:

Ich hab aus den “Parkplatz-Jahren” v.a. folgendes gelernt: Aus Entscheidungen, die ich aus dem Herzen heraus fälle entstehen unglaubliche Dinge. Es stimmt eben genau nicht “dass es doch nichts bringt” – z.B.  Aufstehen – und leuchten weiterlesen

Miteinander reden

“Man kann doch miteinander reden.”
“Wenn Sie nicht mit uns reden wollen…”

Das hör ich oft, hört sich gut an – und hat viel Wahres.

Richtig und wichtig ist aber auch Folgendes:

  • Miteinander reden heisst für mich, dass das was ich brauche genausoviel Platz und Berechtigung hat wie das worüber mein Gegenüber mit mir reden will.

Ich erlebe immer wieder, dass genau die Menschen, die mir sagen, dass sie unbedingt mit “mir” reden wollen oder mir vorwerfen, dass ich nicht mit ihnen rede wolle, dann, wenn ich mich auf ein Gespräch mit ihnen einlasse damit beginnen zu erklären wie wichtig ich ihnen bin und dass sie unbedingt möchten, dass es für mich stimmt – und dann genau in dem Moment in dem ich ins Gespräch einbringe, was für mich wichtig ist böse werden. Oder – und das ist die mich fast noch verstörendere Variante – Miteinander reden weiterlesen