Archiv der Kategorie: Lebens-Gedanken

Verantwortung übernehmen statt Gutes tun

Mit Biosocken unterwegs

“Wie, die wir zu den Begünstigten in der Welt gehören,
versäumen unsere erste Pflicht,
wenn wir nicht alles, was uns nur möglich ist, tun,
um den Kampf gegen Hunger und Elend zu führen,
der zugleich der Kampf für die Recht und Würde des Menschen ist.”
aus: “Erklärung von Bern”, 1968

Dieser Auszug aus dem Gründungstext der schweizerischen Organisation “Public Eye” spiegelt genau meine Lebenshaltung wieder: Wenn ich zu einer gerechteren Welt beitragen will, dann muss ich nicht “Gutes Tun” oder “Hilfe leisten”, sondern: Mein Beitrag hat dann die grösste Wirkung, wenn ich genau hinschaue, wo ich selber für Ungerechtigkeiten mitverantwortlich bin. Und dann das in meiner Macht liegende tue, um etwas gegen diese Ungerechtigkeiten zu unternehmen. Anders gesagt: Indem ich Verantwortung für mein Leben und Handeln übernehme.

Das ist voll cool, denn es heißt: Ungerechtigkeit ist nicht etwas Unveränderliches, das ich hinnehmen muss und höchstens durch Almosen lindern kann. Sie ist vielmehr die Folge von Strukturen, die ich beeinflussen kann, wenn ich aktiv werde. Ich kann die Welt verändern – zumindest ein Stück weit. Und genau das versuche ich. Einerseits im Alltag beim Einkaufen von Essen, Kleidung, Putzmitteln etc. Und andrerseits bei längerfristigen Entscheiden wie durch die Wahl meines Arbeitsplatzes, meines Wohnorts und der Menschen mit denen ich mich umgebe.

Zum Weiterlesen:
Website der Organisation Public Eye

Einwandfreies Vorleben?

Letzte Woche habe ich mich bei einer Stelle beworben, wo ein einwandfreies Vorleben verlangt wurde. Das hat bei mir die Frage aufgeworfen: Was heisst denn ein einwandfreies Vorleben für mich?

Und da bin ich erstens draufgekommen, dass ich glaub, dass niemand völlig einwandfrei lebt. Die Formulierung also falsch ist. Wir machen alle Fehler. Ich persönlich find’s nicht zielführend jemand deswegen seine Zukunft zu verbauen. Ich möchte vielmehr eine Art des Zusammenlebens fördern, wo Lernen aus Fehlern – die wir ja alle machen – belohnt wird.

V.a. aber stellte ich mir folgende Frage: Einwandfreies Vorleben? weiterlesen

Nichts falsch

“”Ich habe”, sagte er, “im Leben viele Fehler gemacht. Aber nichts falsch.”

Aus: Ich nicht. Erinnerungen an einer Kindheit und Jugend, Joachim Fest, Rowolth, 2006 (einem Buch mit Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, das ich in der Gratis-Bücherkiste auf dem Foto oben gefunden hab).

 

Ich find auch: Fehler machen ist erlaubt. Wichtig ist, daraus zu lernen – damit man sein Leben trotz Fehler insgesamt richtig lebt. Das wirft die Frage auf: Was ist nun richtig? Für mich ist richtig, das zu tun, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und dafür ist es wichtig, mich für die zu interessieren, die von meinem Handeln betroffen sind. Mir Zeit zu nehmen. Um mir Wissen anzueignen. Zuzuhören. Zu überlegen. Und Entscheidungen zu treffen. Für die ich dann später die Verantwortung übernehme.

 

Lästige Sorgen

Wenn man sich vorschreiben lässt, was sich gehört (z.B. wie lang man am Morgen ausschläft oder eben nicht, was frau anzieht und was mann, etc.), dann werden einem nicht nur lästige Sorgen und Entscheidungen abgenommen – sondern auch die Verantwortung für sich selbst. Das hat seinen Reiz. Denn dann muss man sich mit ebendieser Verantwortung nie beschäftigen bzw. kann ihr ausweichen.

Das Problem an einer solchen Lebenshaltung ist: Wenn ich die Verantwortung für mein eigenes Leben abgebe – anstatt mein Verhalten an den realen Auswirkungen meines Verhaltens zu messen – dann droht mir die Gefahr des Realitätsverlustes.

Die Realität konfrontiert uns mit den Folgen unseres Handelns. Sie konfrontiert uns mit uns selber – mit unserer Verantwortung. Darauf kann ich reagieren, in dem ich Lästige Sorgen weiterlesen

Aufstehen – und leuchten

Diesen Text hab ich am 30. Juli 2015 geschrieben und vor 2h versehentlich veröffentlicht. Als ich das grad vorhin bemerkte, hab ich den Text durchgelesen und festgestellt: Der ist ja gar nicht so schlecht und ausserdem noch voll aktuell. Drum bleibt er jetzt einfach öffentlich – garniert mit einem diesen Sommer geschossenen Foto von einem schwarzen Schwänlein, dass ganz tapfer-wackelig durch den Zürichsee paddelt:

Ich hab aus den “Parkplatz-Jahren” v.a. folgendes gelernt: Aus Entscheidungen, die ich aus dem Herzen heraus fälle entstehen unglaubliche Dinge. Es stimmt eben genau nicht “dass es doch nichts bringt” – z.B.  Aufstehen – und leuchten weiterlesen

Miteinander reden

“Man kann doch miteinander reden.”
“Wenn Sie nicht mit uns reden wollen…”

Das hör ich oft, hört sich gut an – und hat viel Wahres.

Richtig und wichtig ist aber auch Folgendes:

  • Miteinander reden heisst für mich, dass das was ich brauche genausoviel Platz und Berechtigung hat wie das worüber mein Gegenüber mit mir reden will.

Ich erlebe immer wieder, dass genau die Menschen, die mir sagen, dass sie unbedingt mit “mir” reden wollen oder mir vorwerfen, dass ich nicht mit ihnen rede wolle, dann, wenn ich mich auf ein Gespräch mit ihnen einlasse damit beginnen zu erklären wie wichtig ich ihnen bin und dass sie unbedingt möchten, dass es für mich stimmt – und dann genau in dem Moment in dem ich ins Gespräch einbringe, was für mich wichtig ist böse werden. Oder – und das ist die mich fast noch verstörendere Variante – Miteinander reden weiterlesen

Das Gras bitte!

Ich habe die Angewohnheit genau hinzuschauen – und in Dingen zu graben, die andere gerne zudecken möchten. Manche dieser Dinge sind schon lange her, andere weniger lang – aber allen ist gemeinsam, dass man auch einfach das Gras drüberwachsen lassen könnte.

Doch kann man das wirklich? Ich glaube nicht.

Meine Erfahrung ist folgende: Probleme, die nicht gelöst werden, tauchen in (immer absurderen Formen) wieder auf. Und:  Je mehr man ein Problem unter den Teppich kehrt, deso schwieriger wird rauszufinden worum es geht.

Darum möchte ich nochmal drei wichtige Punkte in Erinnerung rufen, um die es mir im Zusammenhang mit meinem Parkplatz und dem touristischen Projekt geht, dass am Hang gegenüber stattfindet: Das Gras bitte! weiterlesen

… und ich komme sehr oft dazu

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Ich habe 24h/Tag Zeit. Und in dieser Zeit versuche ich, das zu leben, was mir wichtig ist. Das gelingt mir nicht immer. Umso mehr freut es mich, wenn ich es schaffe.

Ödön von Horvath (der Autor des Buches “Jugend ohne Gott”) hat mal gesagt:
“Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.”
Und damit etwas ausgedrückt, was meinem Eindrucks nach immer noch gilt: Wenn mensch immer was zu tun hat und gestresst ist – dann entschuldigt das für viele, dass wir Dinge nicht tun, die wir angeblich tun möchten – sein möchten. Wir wären eigentlich alle ganz anders…

Ich hab mich gefragt: Und was hindert mich daran, wirklich anders zu sein? Und hab festgestellt, dass es da durchaus so einige Hindernisse gibt. Und dass sehr viel damit zusammenhängt, mit welchen Menschen ich mich umgebe. So wähle ich mit Bedacht mein Umfeld aus: Eines, dass mich darin unterstützt, möglichst oft so zu sein, wie ich bin.

Und das führt dazu, dass ich – und das freut mich sehr! – mittlerweile sagen kann:
“Tatsächlich bin ich ganz anders, und ich komme immer öfter dazu.” 🙂

Sich selber wagen

für Konrad – zum 2-Jahres-Jubiläum von unserem Parkplatz-Vertrag

 

Einleitende Anmerkungen (für die Leser*innen des Posts):

Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, wie oft Meinungen zu mir viel mehr das wiederspiegeln, was die betroffenen Personen selber sind als das was ich bin.

In dem Sinn weise ich vorsorglich darauf hin, dass Interpretationen des folgenden Videos + Text womöglich mehr über dich/Sie aussagen, als über mich.

Und nun zum Video und Zitat:

 

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt,
nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist
oder wo der, der Taten vollbracht hat, sie hätte besser machen können.

Die Anerkennung gebührt dem,  der wirklich in der Arena ist;
Sich selber wagen weiterlesen