Archiv der Kategorie: Hinschauen

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Mit Allem kommen können weiterlesen

Wertschätzung in Zeiten des Coronavirus

Wertschätzend aufeinander schauen – für unsere kostbare Gesellschaft

Die derzeitige Situation konfrontiert mich – und ich denke uns alle –  mit ganz grundlegenden Werten des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Frage, welche davon uns wie wichtig sind. Für mich sind jetzt zwei Dinge ganz zentral: Erstens eine offene, wertschätzende und kontroverse Diskussionskultur. Und zweitens Wertschätzung an sich. In dem Sinn möchte ich in diesem Artikel ein paar Gedanken teilen. 

Ich erlebe es so, dass jetzt viele Dinge darüber ans Licht kommen, wie wir miteinander umgehen und wie viel wir einander wert sind. Solche die Freude auslösen in mir – und solche, die mich traurig machen.

Es berührt mich z. B. positiv, Wertschätzung in Zeiten des Coronavirus weiterlesen

Theorie und Praxis

“Das griechisches Wort Theorie meint ursprünglich ein genaues Hinschauen und ein Nachdenken über das Geschaute.”

Esther Klein-Tarolli

Ich geh mal davon aus, dass alle, die das hier lesen, schon mal irgendwelche Lebensmittel irgendwo gelagert haben. Oder Kleider. Oder sonstige Dinge. Lagern tut man nämlich viel im Leben – und zwar eben genau das was ich beschrieben habe: Dinge. Einen Hund lagert man nicht. Und auch keinen Menschen. Die sind nämlich lebendig. Warum schreibe ich das?

In der Pflege (von Mitmenschen) ist oft von “Umlagern” die Rede. Wenn ich mir das nun genau anschaue und drüber nachdenke, dann stell ich fest: Ich rede hier von einem Menschen wie von einem Kartoffelsack. Und behandle ihn dann auch so. Theorie und Praxis weiterlesen

Verantwortungsbewusst und aus Liebe

“Es gibt kein für alle gültiges Bewertungssystem, kein richtig oder falsch. Die Entscheidung ist dann richtig, wenn sie reflektiert und verantwortungsbewusst und aus Liebe zu sich und anderen getroffen wurde.”

Erich Gleisser, Geschäftsführer und Teilhaber von Changemaker

Es ist nicht einfach, richtige Entscheidungen zu treffen. So sass ich in den letzten Wochen Tag für Tag an einem Brief an die Mitglieder des Gemeinderats von Haag am Hausruck. Ich empfand es als meine Verantwortung, Dinge mit ihnen zu teilen, die ich entdeckt habe. Es war mich wichtig, den Mut zu haben, zu meiner Meinung und meinen Werten zu stehen. Und dabei stand ich jeden Tag neu vor der Frage: Wie schreibe ich es? Wie kann ich gleichzeitig fachlich korrekt, ehrlich, offen und wertschätzend sein? Kann ich das?

Während ich nochmal überlege, ob mir das gelungen ist fällt mir Martin Vosseler ein, mit dem ich mich innig verbunden fühle. Oder vielmehr fühlte. Er wurde vor Kurzem bei einem Fahrradunfall getötet. Er hat immer aus einem Geist der Liebe heraus gehandelt. Und er hat damals, als er uns auf unserer Alm besuchte ganz begeistert vom Specht erzählt, auf den er bei der Wanderung auf der Alm gestoßen ist. Das ist mir geblieben. Sein Blick für die Schönheit im Leben. Und vielleicht habe ich auch deswegen den Brief geschrieben: Weil ich das Schöne sehe und an es glaube. Und gerade deswegen die Handlungen kritisiere: Weil ich Menschen die dahinter schätze. Ich gebe Ihnen Wert, indem ich Ihnen meine Zeit widme. Mir Gedanken um sie mache. Und indem ich mir überlege – Stunde um Stunde, Tag um Tag – wie ich meine Gedanken so mit ihnen teilen kann, dass ich ihnen eine Möglichkeit biete, ihr Potenzial bestmöglich zu leben – und so meinen Teil dazu beitrage, dass wir uns allen bestmöglich Sorge tragen.

Zum Nachlesen:
Brief an die Mitglieder des Gemeinderats von Haag am Hausruck vom 15.11.2019

Emotionale Unterstützung

Wie es Menschen mit mir geht – in Briefform

Ich bin ein Mensch der genau hinschaut und dann sagt, was ich sehe. Das ist nicht immer einfach – weder für mich, noch für die Anderen. Ich kann verstehen, dass es überfordert und man versucht ist diese Überforderung damit zu erklären, dass man sagt: “Es geht eh allen gleich mit dir.” Nur: Es stimmt nicht. Es geht Menschen schlicht und einfach unterschiedlich mit mir. Weil das was ich bin immer auf das trifft was mein Gegenüber ist. Um das zu illustrieren habe ich am 11. und 12. August 3 Briefe auf meinem Parkplatz aufgehängt, in dem 3 Menschen die mich näher kennen schildern, wie es ihnen mit mir geht.

Ich denke, es führt für Menschen, die ein Problem mit mir haben kein Weg darum herum, sich zu fragen: Warum hab ich denn so ein Problem mit der Renate? Was für ein Bedürfnis, das ich habe wird denn da nicht erfüllt? Und: Gibt es einen Weg, wie ich es erfüllen kann?

Und für mich führt kein Weg darum, mich zu fragen: Was mach ich denn, wenn ich mit Aussagen über mich konfrontiert werde, die meine Grenzen verletzen? Wie kann ich mir die Hilfe holen, die ich brauche um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Und als ich mich das nach einem Vorfall in Haag am Hausruck am 14. Juni 2019 – bei dem ich mir vorkam als sei ich soeben zum Freiwild erklärt worden, mit dem man umgehen kann, wie man will – fragte, da kam raus: Ich brauche emotionale Unterstützung. Worte von Menschen, die sagen: Wir erleben Renate als wertvoll. Und ich kam auf die Idee, Emotionale Unterstützung weiterlesen

Emanzipierte Deponien

Ich habe keine Ahnung, wie ich im Verteiler des Sonderversands von “Ernst. Das Gesellschaftsmagazin für den Mann gelandet bin. Kurz nachher jedenfalls marschierte mein Nachbar mit seiner Ausgabe des Magazins im Arm die Stiege hinauf und meinte die Zeitschrift sei auch für Frauen lesenswert.

Wenn ein Mann sowas sagt, muss Frau natürlich sofort zu lesen anfangen. Also tat ich genau das. Und siehe da, ich stieß auf ein Interview in dem ein Mann eine Frau interviewte, die etwas feststellte, das auch auf die ehemaligen Deponien in Haag am Hausruck zutrifft (Achtung: Mensch muss mitdenken!): “Wir scheuen uns allzu oft vor der Schuld- und Verantwortungsfrage. Ich kann dem Dreh zwar etwas abgewinnen: Männer profitieren von der Emanzipation, weil sie auch unter dem Patriarchat leiden, und sie liegt deshalb in ihrem Eigeninteresse. Aber: Das ist nie die ganze Geschichte. Denn Männer müssen Macht und Privilegien abgeben – und andere Formen der Verantwortung übernehmen. Solche, die weniger soziale und ökonomische Anerkennung mit sich bringen als diejenige, mit denen sie oftmals vertraut sind. Emanzipierte Deponien weiterlesen

Mitverantwortlich

Am 21.5.2019 erstellter Screenshot der Facebookseite der ÖVP Haag am Hausruck

Vorspann: Ich bin wie Bundespräsident van der Bellen überzeugt:
“Politikerinnen und Politiker wollen das Leben in einer Gesellschaft verbessern und ordnen diesem Ziel für gewöhnlich viel unter im Privatleben und in anderen Bereichen. Und manchmal kommen sie von ihrem Weg ab und überschreiten Grenzen, verletzen Menschen, zerstören Vertrauen.” Es ist meiner Erfahrung nach völlig falsch zu glauben, dass “eh alle Politiker gleich sind”. Es ist vielmehr bequem. Ich bin überzeugt: Menschen – in- und außerhalb der Politik – können aus Fehlern lernen und Verantwortung übernehmen.

Oberösterreich tickt anders: Meine Erfahrung ist: Man(n) kann sich dort fast alles leisten – ohne je die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Und so verwundert es mich – leider – nicht, dass Mitverantwortlich weiterlesen

Gegenwart

von reiner kunze

“Was ich verwahre hinter schloss und siegel?

Keine konspiration nicht einmal
pornografie

Vergangenheit, tochter

Sie zu kennen kann
die zukunft kosten.”

Ich empfinde es als ganz wichtig, die Vergangenheit zu erkunden. Hinzuschauen und zu sagen: Das ist passiert. Nicht um jemand schlecht zu machen. Sondern um zu sagen: So war er. Und so war sie.

Gedicht aus: “zimmer-lautstärke”, reiner kunze, Fischer Taschenbuch Verlag, 1977

Wer nichts hat, dem nehme man?

Österreich ist eines der Länder mit der grössten Ungleichheit in der Verteilung des privaten Vermögens: Die unteren 50% (!) besitzen nur 4% des Vermögens – die oberen 1% ein Viertel. Umso wichtiger ist somit für die Mehrheit der Bevölkerung ein hohes öffentliche Vermögen bzw. ein starker Sozialstaat. Dies ermöglicht nämlich einen gewissen Ausgleich der großen Ungleichheiten im Privatvermögen.

Für mich liegt angesichts dieser Zahlen Folgendes auf der Hand: Es ist im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, dass 1. der Sozialstaat ausgebaut und 2. Maßnahmen ergriffen werden, damit nicht einige wenige übermäßig viel Vermögen haben, während andere viel zu wenig haben. (Stichwort: Vermögenssteuern).

Und was wählt die Mehrheit: Eine Regierung, die genau das Gegenteil macht, indem sie die gegeneinander ausspielt, die wenig haben und Ihnen Leistungen kürzt und gleichzeitig Maßnahmen zugunsten derer ergreift, die eh schon viel haben.

Ich stell fest: Diejenigen, die wenig bis nichts haben, lassen sich gegeneinander ausspielen und unterstützen so die Zementierung der Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Das stimmt mich traurig. Glücklich stimmt mich, dass es Menschen gibt, die darauf hinweisen. Mit (eher faden) Datenanalysen – und (eher spannenden) Kampagnen. Eine dieser Kampagnen ist die Wahlkampagne der AUGE/UG für die Arbeiterkammerwahl.

Bei der Arbeiterkammerwahl in den nächsten Monaten (je nach Bundesland unterschiedliches Datum) können alle Wahlberechtigten dafür sorgen, dass die Arbeiterkammer auch in Zukunft die Vermögensverteilung kritisch betrachtet. Anders gesagt: Man kann was ändern. Indem man wählt.

Zum Weiterlesen:
Vermögensverteilung in Österreich: Neue Daten, beständige Ungleichheit (A&W Block, 14.1.2019, abgerufen am 19.01.2019)

Arbeiterkammerwahl 2019: Website der parteiunabhängigen AUGE/UG (abgerufen am 19.01.2019)