Archiv der Kategorie: Hinschauen

Gegenwart

von reiner kunze

“Was ich verwahre hinter schloss und siegel?

Keine konspiration nicht einmal
pornografie

Vergangenheit, tochter

Sie zu kennen kann
die zukunft kosten.”

Ich empfinde es als ganz wichtig, die Vergangenheit zu erkunden. Hinzuschauen und zu sagen: Das ist passiert. Nicht um jemand schlecht zu machen. Sondern um zu sagen: So war er. Und so war sie.

Gedicht aus: “zimmer-lautstärke”, reiner kunze, Fischer Taschenbuch Verlag, 1977

Wer nichts hat, dem nehme man?

Österreich ist eines der Länder mit der grössten Ungleichheit in der Verteilung des privaten Vermögens: Die unteren 50% (!) besitzen nur 4% des Vermögens – die oberen 1% ein Viertel. Umso wichtiger ist somit für die Mehrheit der Bevölkerung ein hohes öffentliche Vermögen bzw. ein starker Sozialstaat. Dies ermöglicht nämlich einen gewissen Ausgleich der großen Ungleichheiten im Privatvermögen.

Für mich liegt angesichts dieser Zahlen Folgendes auf der Hand:: Es ist im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, dass Wer nichts hat, dem nehme man? weiterlesen

Neben uns die Sintflut

“Den eigenen Wohlstand zu wahren, indem man ihn den anderen vorenthält, ist das unausgesprochene und uneingestandene Lebensmotto der “fortgeschrittenen” Gesellschaften im globalen Norden – und ihre kollektive Lebenslüge ist es, die Herrschaft dieses Verteilungsprinzips und die Mechanismen seiner Sicherstellung vor sich selbst zu leugnen.” 
Aus: “Neben uns die Sintflut” von Stephan Lessenich, 2016, Carl Hanser Verlag

Auf gut deutsch: Wir leben auf Kosten von Anderen. Auch ich. Ich find das geht gar nicht – und geht auch anders.

Und genau das leb und entwickle ich in meinem Alltag. Indem ich Neben uns die Sintflut weiterlesen

Nestbeschmutzerin?

“Lokaler Politik muss vor allem klar sein, dass diejenigen, die Probleme benennen, nicht das Problem, sondern Teil der Lösung sind. Das fällt oft schwer, weil Kritik an der eigenen Region noch sehr oft als „Nestbeschmutzung“ wahrgenommen wird.”

Ich empfinde es als sehr erleichternd, wenn Menschen fähig sind, sich bei Kritik an einem bestehenden Problem nicht sofort persönlich angegriffen zu fühlen. Nestbeschmutzerin? weiterlesen

Der Islam wars?

“Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet, wie Pius X. sagt, eine vollständige Verneinung der übernatürlichen Ordnung. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein Frevel gegen Gott und ein bitteres Unrecht gegen die Kirche und die Gläubigen.”

Aus: Kann ein Katholik Sozialdemokrat sein, Franz Zach, Buchdruckerei Carinthia des St.-Josef-Vereins, Klagenfurt, 1919

Es lohnt sich, genau hinzuschauen, bevor man die Bewahrung von traditionellen Werten fordert.

Offiziell abgesegneter Diebstahl

Ich säe Samen – und dort wo der Boden fruchtbar ist wachsen sie

„Jedes angefertigte Gewehr, jedes zu Wasser gelassene Kriegsschiff, jede abgeschossene Rakete bedeutet im Endeffekt einen Diebstahl an jenen, die hungern und die nicht ernährt werden und an jenen, die nichts anzuziehen haben”
Dwight Eisenhower, US-Präsident 1953-1961, im Jahr 1953

Meine “Gedanken-Samen” dazu: Wenn ein Gemeinderat beschließt, 75% der Kostenüberschreitungen eines Tourismusprojektes mit Steuergeldern zu zahlen, obwohl diese Kostenüberschreitungen auf unverantwortliches Projektmanagement und/oder Verheimlichen von mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten von Seiten der Projektverantwortlichen zurückzuführen sind: Das ist für mich Diebstahl an Menschen, die im selben Land diese Steuergelder für ihr tägliches, würdiges Überleben viel nötiger hätten.

Mein Ziel ist es, dass wir aus Fehlern lernen. Dazu bedarf es aber des Willens, seine Handlungen anzuschauen bzw. bereit zu sein, neutrale Sachverständige zuzuziehen. Ich habe den Mitgliedern des Gemeinderates von Haag am Hausruck im Herbst 2017 angeboten, dass sie einen Antrag an den Landesrechnungshof unterstützen, der beantragt, dass Offiziell abgesegneter Diebstahl weiterlesen

Arbeitsscheu?

“Henry Ford sagte 1931, dass es die Krise deswegen gab, weil `der Durchschnittsmensch sein Tagwerk nicht wirklich vollbringt, es sei denn er wird erwischt und kommt nicht darum herum. Es gibt jede Menge Arbeit zu verrichten, wenn Menschen sie nur verrichten würden.` Wenige Wochen später entliess er 75.000 Arbeiter.”

Aus: A people’s history of the United States, Howard Zinn, 2005

Es ist schwierig für mich, festzustellen, dass Dinge die ich gelernt habe und an die ich geglaubt habe nicht unbedingt stimmen. Z.B. dass die die Arbeit wollen schon Arbeit finden. Einfacher wäre es, nicht so genau hinzuschauen. Doch das würde heissen, Arbeitsscheu? weiterlesen

Regierungspolitik

“Löwen! Schlummert immer noch?
Unbesiegbar seid ihr doch.
Brecht ihr eure Ketten nicht,
dann verfällt die Chance schlicht––
Ihr––ihr zählt––sie zählen nicht.’”

Perce Bysshey Shelley

Auf dieses Zitat (bzw. dessen engisches Original) stiess ich gerade in dem Buch, dass ich derzeit lese: ” A people’s history of the United States”. Darin erzählt der Auto die US-amerikanische Geschichte aus der Perspektive der Durchschnittsbevölkerung bzw. von Gruppen, die regulären Geschichtsbüchern unerwähnt bleiben. Das resultiert in einer eine ganz spannenden und aufschlussreichen Lektüre. V.a. wenn er beschreibt, mit wie viel Brutalität über wie lange Zeit die Forderung nach einem 8-Stunden-Tag niedergeschlagen wurde. Wie die Menschen sich aber einfach nicht unterkriegen liessen – und Regierungspolitik weiterlesen

Nicht warum – sondern wie?

“Wir lesen unseren Kindern Märchen vor und sagen ihnen, dass es gute und böse Menschen gibt. (…) Das würde ich heute niemals mehr tun. Ich würde sagen, dass wir alle die Fähigkeit in uns tragen, Gutes zu tun und die Fähigkeit, schlechte Entscheidungen zu treffen. Wenn man jemanden liebt,  muss man sowohl das Gute als auch das Schlechte in ihnen sehen.” Sue Klebold

Wenn Tragödien wie der Amoklauf vom 20. April 1999 an der High School in Columbine passieren, ist die erste Frage der meisten Menschen: Warum? Sue Klebold, die Mutter eines der Amokläufer von Columbine meint in ihrem 2016 veröffentlichten Buch, dass das vielleicht die falsche Frage ist. Für sie ist die bessere Frage: “Wie?”

Als nach dem Amoklauf die Frage “Warum?” im Zentrum des Interesses stand, so erzählt sie in einem Interview, endet das sehr schnell in Schuldzuweisunungen und einem von Wut geprägten Klima. Wenn wir hingegen “Wie?” statt “Warum?” fragen, so schreibt sie, dann konzentrieren wir uns auf den Prozess. Im Fall ihres Sohnes ist das: Nicht warum – sondern wie? weiterlesen