Archiv der Kategorie: Nationalsozialismus

Für wen?


“Man glaubt fürs Vaterland zu sterben, aber man stirbt für die Rüstungsindustrie.

Marcelle Capy, französische Pazifistin

Grad hab ich das Buch “Frauen gegen Hitler. Schicksale im Nationalsozialismus” ausgelesen. Im Buch wird u.a. über Hildegard Hamm-Brücher berichtet, die von den Widerstands-Aktivitäten der “Weissen Rose” wusste, aber selbst nie wirklich politisch aktiv wurde.  Nach dem 2. Weltkrieg engagierte sie sich für ein liberales und demokratisches Deutschland . Über sie steht in dem Buch: “Ihr politisches Engagement (…). Sie sah es als ein Vermächtnis – wenn es so etwas überhaupt gib – dieser lauteren Menschen an, daraus zu lernen, nämlich Verantwortung mitzutragen für eine menschenwürdige staatliche und gesellschaftliche Ordnung, das eigene Gewissen zu schärfen und gegen Unrecht und Unmenschlichkeit aufzubegehren – selbst um den Preis der persönlichen Freiheit, oder, wie bei den Geschwistern Scholl, des eigenen Lebens.”

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Nichts falsch

“”Ich habe”, sagte er, “im Leben viele Fehler gemacht. Aber nichts falsch.”

Aus: Ich nicht. Erinnerungen an einer Kindheit und Jugend, Joachim Fest, Rowolth, 2006 (einem Buch mit Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, das ich in der Gratis-Bücherkiste auf dem Foto oben gefunden hab).

 

Ich find auch: Fehler machen ist erlaubt. Wichtig ist, daraus zu lernen – damit man sein Leben trotz Fehler insgesamt richtig lebt. Das wirft die Frage auf: Was ist nun richtig? Für mich ist richtig, das zu tun, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und dafür ist es wichtig, mich für die zu interessieren, die von meinem Handeln betroffen sind. Mir Zeit zu nehmen. Um mir Wissen anzueignen. Zuzuhören. Zu überlegen. Und Entscheidungen zu treffen. Für die ich dann später die Verantwortung übernehme.

 

Ich nicht

“Er legte jedem von uns einen Zettel hin und diktierte: “Etiam si omnes – ego non”. (…) Die Maxime, die er uns nach seiner Erinnerung damals vermacht hatte (…) gehöre in der Tat zu jedem wirklich freien Leben hinzu, die schöne lateinische Sentenz: “Auch wenn alle mitmachen – ich nicht.””

Aus: “Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend”, Joachim Fest, 2006.

In seinen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im 2. Weltkrieg beschreibt Joachim Fest auf für mich sehr beklemmende Weise die Argumente der Mitläufer*innen des Nazi-Regimes – und der Druck der von ihnen auf die ausgeübt wurde, die sich nicht Arrangieren wollten. Beklemmend für mich deswegen, weil es mich an Dinge erinnert, die ich in Österreich erlebt habe – insbesondere in Situationen, wo ich Dinge nicht mittrug und -trage, die ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Das Buch – meine eigene Erfahrung – wirft in mir die Frage auf: Warum handeln wir so wie wir es tun? Wissen wir das? Können wir da wirklich dahinter stehen – oder übernehmen wir einfach die uns vererbte Argumentation, die da ist: Es gab ja keine andere Wahl. Und wenn Letzteres der Fall ist, erklärt das vielleicht warum so grosser Druck ausgeübt wird auf die die eben doch was Andres wählen. Weil sie nämlich Ich nicht weiterlesen

Lästige Sorgen

Wenn man sich vorschreiben lässt, was sich gehört (z.B. wie lang man am Morgen ausschläft oder eben nicht, was frau anzieht und was mann, etc.), dann werden einem nicht nur lästige Sorgen und Entscheidungen abgenommen – sondern auch die Verantwortung für sich selbst. Das hat seinen Reiz. Denn dann muss man sich mit ebendieser Verantwortung nie beschäftigen bzw. kann ihr ausweichen.

Das Problem an einer solchen Lebenshaltung ist: Wenn ich die Verantwortung für mein eigenes Leben abgebe – anstatt mein Verhalten an den realen Auswirkungen meines Verhaltens zu messen – dann droht mir die Gefahr des Realitätsverlustes.

Die Realität konfrontiert uns mit den Folgen unseres Handelns. Sie konfrontiert uns mit uns selber – mit unserer Verantwortung. Darauf kann ich reagieren, in dem ich Lästige Sorgen weiterlesen

Nur eins


Gestern – am 72. Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Nagasaki – habe ich eine Flaschenpost in den Rhein geworfen. Es war eine Antwort auf einen anonymen Brief, den ich im Vorjahr erhalten habe, weil ich Nachforschungen zu Geschehnissen während dem 2. Weltkrieg gemacht hatte.  Nachdem die Flasche im Rhein ihre Reise in Angriff genommen hatte Nur eins weiterlesen