Archiv der Kategorie: Achtsamkeit

Emotionale Unterstützung

Wie es Menschen mit mir geht – in Briefform

Ich bin ein Mensch der genau hinschaut und dann sagt, was ich sehe. Das ist nicht immer einfach – weder für mich, noch für die Anderen. Ich kann verstehen, dass es überfordert und man versucht ist diese Überforderung damit zu erklären, dass man sagt: “Es geht eh allen gleich mit dir.” Nur: Es stimmt nicht. Es geht Menschen schlicht und einfach unterschiedlich mit mir. Weil das was ich bin immer auf das trifft was mein Gegenüber ist. Um das zu illustrieren habe ich am 11. und 12. August 3 Briefe auf meinem Parkplatz aufgehängt, in dem 3 Menschen die mich näher kennen schildern, wie es ihnen mit mir geht.

Ich denke, es führt für Menschen, die ein Problem mit mir haben kein Weg darum herum, sich zu fragen: Warum hab ich denn so ein Problem mit der Renate? Was für ein Bedürfnis, das ich habe wird denn da nicht erfüllt? Und: Gibt es einen Weg, wie ich es erfüllen kann?

Und für mich führt kein Weg darum, mich zu fragen: Was mach ich denn, wenn ich mit Aussagen über mich konfrontiert werde, die meine Grenzen verletzen? Wie kann ich mir die Hilfe holen, die ich brauche um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Und als ich mich das nach einem Vorfall in Haag am Hausruck am 14. Juni 2019 – bei dem ich mir vorkam als sei ich soeben zum Freiwild erklärt worden, mit dem man umgehen kann, wie man will – fragte, da kam raus: Ich brauche emotionale Unterstützung. Worte von Menschen, die sagen: Wir erleben Renate als wertvoll. Und ich kam auf die Idee, Emotionale Unterstützung weiterlesen

Das Befinden

von Franz Hohler

“Wie geht es Dir?” fragte die Trauer die Hoffnung.
“Ich bin etwas traurig”, sagte die Hoffnung.
“Hoffentlich”, sagte die Trauer

Franz Hohler hat 2011 die Bewegung gegen neue Atomkraftwerke in der Schweiz , in der ich mich damals sehr stark engagierte mit seinen Worten unterstützt. Dies gab mir sehr viel Hoffnung – in einer Zeit in der ich gleichzeitig sehr traurig darüber war, was in Fukushima passiert war.

Kurzer Text in Kursiv aus: Die Blaue Amsel, Franz Hohler, Luchterhand, 1995, S. 92

Englisch für den Winter

Sable = englisch für Zobel  = ein Tier das mit dem Baummarder verwandt ist. Bekannt ist er vor allem aufgrund des für Pelzbekleidung verwendeten Zobelfells.

Warum schreib ich das? Nun: Es ist grad Winter. Im Winter ist es kalt. Und es ist Weihnachten. Und zu Weihnachten werden Geschenke verschenkt und Weihnachtslieder gespielt, wie “Es wird scho glei dumpa” oder “Santa Baby”. Und in Letzterem kommt doch glatt ein Zobel vor, den der Weihnachtsmann Englisch für den Winter weiterlesen

Und es geht doch :)

Letzens war ich im Bio-Hofladen. Da radelte ich wieder am Bauernhof vorbei, wo im Herbst wochenlang Kürbisfest ist. Das Fest ist bei den Leuten der totale Hit. Massenhaft reisen sie in das kleine Dorf mit dem viel zu kleinen Parkplatz. Und das mich immer wieder Erstaunende: Trotzdem steht dort kein einziges Auto in der Wiese. Dafür stehen je 1-2 vom Bauernhof bezahlte “Verkehrskadett*innen” vor dem kleinen Parkplatz neben dem Bauernhof und informieren die Autofahrenden, dass der Parkplatz voll ist und wo es den nächsten Parkplatz gibt (= 1,7 km und ca. 60 Höhenmeter vom Bauernhof entfernt). An diesem Parkplatz, der vor einem kleinen Bahnhof liegt hat der Kürbisfest-Bauernhof – weil der Bahnhof-Parkplatz in der “Kürbisfestzeit” zu klein ist – für die Kürbisfestwochen eine Wiese gepachtet, auf der dann Autos parken können. Von dort Und es geht doch 🙂 weiterlesen

Einwandfreies Vorleben?

Letzte Woche habe ich mich bei einer Stelle beworben, wo ein einwandfreies Vorleben verlangt wurde. Das hat bei mir die Frage aufgeworfen: Was heisst denn ein einwandfreies Vorleben für mich?

Und da bin ich erstens draufgekommen, dass ich glaub, dass niemand völlig einwandfrei lebt. Die Formulierung also falsch ist. Wir machen alle Fehler. Ich persönlich find’s nicht zielführend jemand deswegen seine Zukunft zu verbauen. Ich möchte vielmehr eine Art des Zusammenlebens fördern, wo Lernen aus Fehlern – die wir ja alle machen – belohnt wird.

V.a. aber stellte ich mir folgende Frage: Einwandfreies Vorleben? weiterlesen

Nestbeschmutzerin?

“Lokaler Politik muss vor allem klar sein, dass diejenigen, die Probleme benennen, nicht das Problem, sondern Teil der Lösung sind. Das fällt oft schwer, weil Kritik an der eigenen Region noch sehr oft als „Nestbeschmutzung“ wahrgenommen wird.”

Ich empfinde es als sehr erleichternd, wenn Menschen fähig sind, sich bei Kritik an einem bestehenden Problem nicht sofort persönlich angegriffen zu fühlen. Nestbeschmutzerin? weiterlesen

Der Islam wars?

“Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet, wie Pius X. sagt, eine vollständige Verneinung der übernatürlichen Ordnung. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein Frevel gegen Gott und ein bitteres Unrecht gegen die Kirche und die Gläubigen.”

Aus: Kann ein Katholik Sozialdemokrat sein, Franz Zach, Buchdruckerei Carinthia des St.-Josef-Vereins, Klagenfurt, 1919

Es lohnt sich, genau hinzuschauen, bevor man die Bewahrung von traditionellen Werten fordert.

Nichts falsch

“”Ich habe”, sagte er, “im Leben viele Fehler gemacht. Aber nichts falsch.”

Aus: Ich nicht. Erinnerungen an einer Kindheit und Jugend, Joachim Fest, Rowolth, 2006 (einem Buch mit Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, das ich in der Gratis-Bücherkiste auf dem Foto oben gefunden hab).

 

Ich find auch: Fehler machen ist erlaubt. Wichtig ist, daraus zu lernen – damit man sein Leben trotz Fehler insgesamt richtig lebt. Das wirft die Frage auf: Was ist nun richtig? Für mich ist richtig, das zu tun, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und dafür ist es wichtig, mich für die zu interessieren, die von meinem Handeln betroffen sind. Mir Zeit zu nehmen. Um mir Wissen anzueignen. Zuzuhören. Zu überlegen. Und Entscheidungen zu treffen. Für die ich dann später die Verantwortung übernehme.

 

Ich nicht

“Er legte jedem von uns einen Zettel hin und diktierte: “Etiam si omnes – ego non”. (…) Die Maxime, die er uns nach seiner Erinnerung damals vermacht hatte (…) gehöre in der Tat zu jedem wirklich freien Leben hinzu, die schöne lateinische Sentenz: “Auch wenn alle mitmachen – ich nicht.””

Aus: “Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend”, Joachim Fest, 2006.

In seinen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im 2. Weltkrieg beschreibt Joachim Fest auf für mich sehr beklemmende Weise die Argumente der Mitläufer*innen des Nazi-Regimes – und der Druck der von ihnen auf die ausgeübt wurde, die sich nicht Arrangieren wollten. Beklemmend für mich deswegen, weil es mich an Dinge erinnert, die ich in Österreich erlebt habe – insbesondere in Situationen, wo ich Dinge nicht mittrug und -trage, die ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Das Buch – meine eigene Erfahrung – wirft in mir die Frage auf: Warum handeln wir so wie wir es tun? Wissen wir das? Können wir da wirklich dahinter stehen – oder übernehmen wir einfach die uns vererbte Argumentation, die da ist: Es gab ja keine andere Wahl. Und wenn Letzteres der Fall ist, erklärt das vielleicht warum so grosser Druck ausgeübt wird auf die die eben doch was Andres wählen. Weil sie nämlich Ich nicht weiterlesen