Exodus

“Leaving is only the first step to a solution; it actually takes a lot of work to build a life after that. (…) Abuse minus healing equals love.”

“Zu gehen ist nur der 1. Schritt in Richtung Lösung; es erfordert eine Menge Arbeit, sich ein Leben danach aufzubauen. (…) Missbrauch minus Heilung ergibt Liebe.

Deborah feldmann, Exodus, S. 223

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Weiterlesen “Mit Allem kommen können”

…und führen, wohin du nicht willst



“Haben Sie noch nie darüber nachgedacht, dass Denken immer gefährlich ist?”

Helmut Gollwitzer

Die derzeitige Situation rund um den Coronavirus wirft die Frage auf: Wer entscheidet über die derzeitigen Massnahmen und wie? Spannenderweise finde ich dazu in einem Buch aus dem Jahre 1954 namens “… und führen wohin du nicht willst. Bericht einer Gefangenschaft” interessante Gedanken. In diesem Buch berichtet Helmut Gollwitzer von seiner Gefangenschaft in der Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg und analysiert kritisch die Situation in der Sowjetunion und ganz allgemein die Frage von Staat, Menschlichkeit, Freiheit und totalitären Systemen.

Was ich am Buch von Helmut Gollwitzer besonders spannend finde sind seine Berichte über Gespräche mit Andersdenkenden und seine Berichte und Gedanken darüber, wie Solidarität und Zusammenhalt durch verschiedene Gesellschaftssysteme untergraben und gefördert werden können.

Ich möchte hier einige Gedanken von ihm teilen, die er zum 3. Reich (insbesondere der Judenverfolgung) zur Diskussion stellt und die ich finde auch heute noch ihre Gültigkeit haben – auch für heutige gesellschaftliche Fragen:

“1. Wir haben davon nichts gewusst! – Aber warum haben wir nichts davon gewusst? Haben wir nichts wissen können oder nichts wissen wollen?

2. Wir haben es nicht gewollt! – Haben wir es damals alle wirklich, von ganzem Herzen nicht gewollt oder wollen wir es nur heute nicht mehr?


3. Wir konnten nichts dagegen tun! – Haben wir alles getan, was wir dagegen tun können? Haben wir alles an Hilfe für die Verfolgten getan, was wir konnten?

(Aus: “… und führen, wohin du nicht willst”, S. 119)

Egal in welcher gesellschaftlichen Situation ich mich befinde, ich Weiterlesen “…und führen, wohin du nicht willst”

Freiheitseinschränkende Massnahmen

“Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.”

Benjamin Franklin

Nicht nur in Corona-Zeiten, sondern auch im ganz normalen Alltag, treten immer wieder Situationen auf, in der wir die Werte Sicherheit und Freiheit gegeneinander abwägen müssen.

In der Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf stellt sich z.B konkret immer wieder die Frage: Wie stelle ich die Sicherheit dieser Menschen sicher? Als Antwort werden oft Maßnahmen ergriffen, die die Freiheit der betroffenen Person einschränken wie z.B.: Weiterlesen “Freiheitseinschränkende Massnahmen”