Archiv der Kategorie: Wertschätzung

Selbstwert und Sorry

Selbstbewusstsein – wichtig für Kuh und Mensch

Ich mach derzeit grad ganz viele Fehler. An meiner Arbeitsstelle ist Vieles für mich neu und drum läuft noch nicht alles rund. Manche Fehler verzeih ich mir leichter – andere nicht so leicht. Wichtig ist mir bei allen: Sie zu reflektieren – damit sie nicht wieder vorkommen. Zu ihnen zu stehen – um eine offene Fehlerkultur zu fördern. Und mich wenn notwendig bei den Betroffenen für meine Fehler zu entschuldigen – damit sie wissen, dass mir der Respekt ihrer Grenzen wichtig ist und sie Vertrauen zu mir aufbauen können.

Ich stelle fest: Dafür braucht es eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Ich freue mich, dass ich dieses meistens habe. Und frage mich: Ist fehlendes Selbstbewusstsein vielleicht der – oder: auch ein – Grund warum der Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderats von Haag am Hausruck sich bis dato noch nicht bei mir entschuldigt haben? Bisher war ich ja eher davon ausgegangen, dass Selbstwert und Sorry weiterlesen

Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Mit Allem kommen können weiterlesen

Wahr Sagen

“Wahr zu sagen ist die Bemühung, alle relevanten Fakten auf den Tisch zu bekommen und diese Fakten kritisch zu analysieren.”

Denknetz (Forum für den Austausch zu aktuellen Themen aus Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitspolitik)

Die Erlebnisberg Luisenhöhe GmbH hat am 13.1.2019 Konkurs eingereicht. Und wenn ich mich nun seither bemühe, alle relevanten Fakten zu bekommen, um sie kritisch zu analysieren, dann stelle ich fest: Geht nicht wirklich. Dies deswegen, weil die Transparenz und die offene, wertschätzende Konfliktkultur, die hierfür notwendig wären in Haag am Hausruck nicht gelebt werden.

Was mache ich dann?

Einerseits schreibe ich Satiren: Sie werfen Schlaglichter auf einzelne Aspekte des Ganze. Ist das denn wirklich Teil einer kritischen Analyse – oder mache ich mich in den Satiren nicht nur einfach über Andere lustig – und entwürdige sie damit? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage. Ich sehe es so: Für mich sind Satiren eine Möglichkeit, die Werte transparent zu machen, die wir leben – und die sich zum Teil radikal von den Werten unterscheiden, von denen wir reden. Satiren machen Dinge sichtbar, die sonst verborgen bleiben. Auch hilft Lachen, Dinge zu verdauen. Satiren sind also Wahr Sagen weiterlesen

Wertschätzung in Zeiten des Coronavirus

Wertschätzend aufeinander schauen – für unsere kostbare Gesellschaft

Die derzeitige Situation konfrontiert mich – und ich denke uns alle –  mit ganz grundlegenden Werten des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Frage, welche davon uns wie wichtig sind. Für mich sind jetzt zwei Dinge ganz zentral: Erstens eine offene, wertschätzende und kontroverse Diskussionskultur. Und zweitens Wertschätzung an sich. In dem Sinn möchte ich in diesem Artikel ein paar Gedanken teilen. 

Ich erlebe es so, dass jetzt viele Dinge darüber ans Licht kommen, wie wir miteinander umgehen und wie viel wir einander wert sind. Solche die Freude auslösen in mir – und solche, die mich traurig machen.

Es berührt mich z. B. positiv, Wertschätzung in Zeiten des Coronavirus weiterlesen

Wo ich daheim bin

Friedensschals der Aktion Wool against Weapons in Haag am Hausruck

Ich bin dort daheim, wo

  • ich sicher bin, d.h. meine Grenzen respektiert werden,
  • ich verstanden werde,
  • ich respektiert werde,
  • ich – ohne mich rechtfertigen zu müssen – Ich sein darf,
  • mein Wert geschätzt wird,
  • ich geliebt werde.

Im Zusammenleben verletzen wir oft die Grenzen Anderer. Dann ist ein Gespräch wichtig – und eine Entschuldigung, die zeigt: Das war nicht Absicht, mir ist es ein Anliegen, deine Grenzen zu respektieren. Wenn diese Entschuldigung nicht erfolgt, dann muss ich davon ausgehen, dass sich die Grenzverletzung jederzeit wiederholen kann. So erlebe ich es leider – in Bezug auf für mich lebenswichtige Grenzen – in Haag am Hausruck.

Ich habe ein Recht daheim zu sein. Auch und gerade in Haag am Hausruck. Meine Grenzen sind genauso wichtig wie die aller anderen Menschen dort. Ich bin genauso wichtig. Und darum setze ich mich für meine Grenzen und für mich ein – mit all meiner Energie. Und mit Liebe.

Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinaesthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, wie der durch diesen gemeinsamen Weg ausgedrückte Respekt vor der gepflegten Person bei dieser direkt ankommt. Und das freut mich. Darüber hinaus finde ich darin die Haltung wieder, die ich versuche ganz allgemein im Leben zu leben.

Gestern stieß ich dann auf das Zitat oben und es hat mich an all die Fehler erinnert, die ich selber mache und die andere machen – und wie eben nicht die Fehler das Problem sind, sondern, dass wir sie nicht als Teil eines gemeinsamen Wegs anschauen. Fehlerkorrekturwesen weiterlesen

Regierungspolitik

“Löwen! Schlummert immer noch?
Unbesiegbar seid ihr doch.
Brecht ihr eure Ketten nicht,
dann verfällt die Chance schlicht––
Ihr––ihr zählt––sie zählen nicht.’”

Perce Bysshey Shelley

Auf dieses Zitat (bzw. dessen engisches Original) stiess ich gerade in dem Buch, dass ich derzeit lese: ” A people’s history of the United States”. Darin erzählt der Auto die US-amerikanische Geschichte aus der Perspektive der Durchschnittsbevölkerung bzw. von Gruppen, die regulären Geschichtsbüchern unerwähnt bleiben. Das resultiert in einer eine ganz spannenden und aufschlussreichen Lektüre. V.a. wenn er beschreibt, mit wie viel Brutalität über wie lange Zeit die Forderung nach einem 8-Stunden-Tag niedergeschlagen wurde. Wie die Menschen sich aber einfach nicht unterkriegen liessen – und Regierungspolitik weiterlesen