Mit Allem kommen können

Wir spüren, wo wir gut aufgehoben sind

Wer kennt ihn nicht, den Satz der Bürgermeisterin / des Chefs / der Kursleiterin / der Eltern: Man kann jederzeit mit Allem zu ihm/ihr kommen. Was ich daran so spannend finde ist: Menschen sind wahnsinnig gescheit – schon von Kind auf. Sie wissen ganz genau, wem sie wirklich offen ihre Sorgen erzählen können bzw. welche Risiken damit verbunden sind – und richten sich danach. Und so bekommen eigentlich nur die Menschen, die für die Welt in ihrer ganzen Fülle (inkl. kritischer Wahrnehmung ihrer eigenen Handlungen) offen sind, auch die wirklichen Probleme mit. Alle andere hören das, was sie hören wollen (und können). Ich finde: Das hat eine gewisse Gerechtigkeit. Und eine gewisse Tragik.

Tragisch ist es deswegen, weil Weiterlesen “Mit Allem kommen können”

Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinaesthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, wie der durch diesen gemeinsamen Weg ausgedrückte Respekt vor der gepflegten Person bei dieser direkt ankommt. Und das freut mich. Darüber hinaus finde ich darin die Haltung wieder, die ich versuche ganz allgemein im Leben zu leben.

Gestern stieß ich dann auf das Zitat oben und es hat mich an all die Fehler erinnert, die ich selber mache und die andere machen – und wie eben nicht die Fehler das Problem sind, sondern, dass wir sie nicht als Teil eines gemeinsamen Wegs anschauen. Weiterlesen “Fehlerkorrekturwesen”

“Alte Geschichten”

Derzeit wird viel über sexuellen Missbrauch und sexuelle Gewalt diskutiert.

Für mich ist es sehr wichtig, dass diese Themen aufgearbeitet werden. Es liegt an jedem einzelnen von uns, diejenigen Medien zu lesen, wo diese Aufarbeitung auf respektvolle und nach den Kriterien von Qualitätsjournalismus erfolgt. Solche Medien gibt es.

In Bezug auf die ganz allgemeine Frage: Warum ist die Aufarbeitung “alter Geschichten” so wichtig sehe ich es – in Anlehnung auf den unten verlinkten Kommentar so:

  • Weil es Menschen gibt, die sexuelle Gewalt erfahren haben
  • Weil es Menschen gibt, die sexuelle Gewalt ausgeübt haben.

Für beide Gruppen ist es wichtig, dass eine Atmosphäre geschaffen wird, in der über diese Ereignisse respektvoll diskutiert werden kann.

Ausserdem: Weiterlesen ““Alte Geschichten””

Das Boot ist voll

Ich werde nie vergessen, was ich (als Dolmetscherin) an der Konferenz im Jahr 2006 gehört hab, an der ein internationales Übereinkommen für sie (Hoch)Seeschiffahrt ausgehandelt wurde. In diesem Übereinkommen wurden Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen auf internationalen Schiffen festgelegt – in Kraft getreten ist es 2013.  Es hat mich stark geprägt, zu hören, unter welchen Bedingungen Menschen auf Schiffen arbeiten.

Warum erzähl ich das? Weil FPÖ-Poltiker Norbert Hofer kürzlich mit dem FPÖ-Seniorenring (ÖSR) auf einer Kreuzfahrt war und: Das Boot war voll. Was nichts anderes heisst, als dass insbesondere das Dienstleistungpersonal alle Hände voll zu tun hatte. So arbeiten z.B. die für die Kabinen zuständigen Stewards, vom Morgengrauen bis in den späten Abend, mit drei Stunden Pause pro Tag, sieben Tage die Woche (d.h. ohne freien Tag), acht Monate im Jahr. Weiterlesen “Das Boot ist voll”