Wie ich in „Haag wird wärmer“ berichtete, scheint es in Haag am Hausruck immer weniger Schnee zu geben. Dafür gibt es im Gegenzug immer mehr Autos.
Hauptproblem: Mobilität
Es gibt verschiedene Dinge, die für die CO2-Emissionen und damit den Klimawandel verantwortlich sind. Für Haag sieht das so aus:

Das Diagramm zeigt deutlich: Den größten Anteil an den CO2-Emissionen hat die Mobilität (gelber Balken). Das ist kein Wunder. Sie ist in Haag am Hausruck sehr autolastig.
Fast so viele Autos wie Menschen

In Haag gibt es unglaublich viele Autos: 7,5 Autos pro 10 Personen (im österreichischen Durchschnitt sind es 5.7 Autos). Das ist nicht nur aus Emissionssicht ein Problem. Sie brauchen auch jede Menge Platz, nämlich die Fläche von 3 Fußballfeldern:

Kurz zusammengefasst kann man es so formulieren: Das Auto ist in Haag eine heilige Kuh. Man widmet darum die wertvollen Haager Böden lieber Autos als Kühen. Selbst dort wo Sport betrieben wird – Wandern, Fußball, Tennis, Schwimmbad etc. – wird für dafür zuerst oft das Auto in Betrieb gesetzt. Die Autos verbrauchen dadurch nicht nur zuhause Boden, sondern auch – aus meiner Sicht meist unnötigerweise – beim Naherholungsgebiet Luisenhöhe und den verschiedenen Sporteinrichtungen.
Was können wir tun?
Die Möglichkeiten, die Situation zu verändern, sind schier unerschöpflich. Wir können Wege vermeiden und sie dort, wo sie nötig sind umweltfreundlich gestalten. Du kannst z.B. mit dem Fahrrad zum Bäcker fahren oder dein Kind zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Kindergarten oder die Schule begleiten. Wir haben ganz viel selber in der Hand – und viele nützen das auch schon.
Daneben ist auch die Politik gefragt. Sie entscheidet in vielen Belangen darüber, ob eine umweltfreundliche Mobilität für alle (einfach) möglich ist oder nicht.
Was macht die Gemeindeführung?

Bei der Nutzung des Handlungsspielraums der Gemeinde gibt es in Haag erste Schritte, aber auch noch viel unausgeschöpftes Potenzial. Zur Illustration werfe ich einen kurzen (unvollständigen) Blick auf die Verkehrssicherheit für Kinder, den Radverkehr und den öffentlichen Verkehr.
Selbständige Mobilität von Kindern (Verkehrssicherheit)

Ein zentrales Thema für die Mobilität ist die Verkehrssicherheit von Kindern. Dort wo sie gegeben ist, können sich auch Kinder selbständig im Ort bewegen. Wo sie das dann auch dürfen (weil die Eltern es ihnen zutrauen, wir alle es fördern), helfen wir neben unserer Umwelt auch ihnen: Sie werden viel schneller selbständig, können auf gemeinsamen Wegen mit Freund:innen Kontakte pflegen usw. Davon profitieren wir alle und manche Eltern helfen tatkräftig mit, dass wir uns in diese Richtung entwickeln (siehe Bild oben).




Es gibt noch sehr viel ungenutztes Potenzial. Die Gemeinderatsmitglieder könnten mithelfen, das Potenzial zu nutzen, indem sie z.B. attraktive Fahrradabstellplätze an der Schule schaffen und einen Aktionsplan für ein kindersicheres Haag erarbeiten und verabschieden (Identifizierung von Gefahrenstellen und Umsetzung von Maßnahmen zu deren Beseitigung). Ich freue mich darauf, dass dieses Thema baldmöglichst von einer der Gemeinderatsfraktionen aufgegriffen und in den Gemeinderat eingebracht wird.
Radverkehr für alle: Großes Potenzial

Die E-Bikes haben die Haager Verkehrslandschaft von Grund auf verändert. Immer mehr Menschen sind mit ihnen in Haag unterwegs. Die Politik hinkt der Entwicklung noch etwas nach. So gibt es z.B. beim Naherholungsgebiet Luisenhöhe auf den von der Gemeinde gepachteten Flächen nur Autoparkplätze, aber keine Fahrradabstellanlagen.
Im Radverkehr gab es in den letzten Jahren durchaus einige wertvolle Schritte. So erfolgte vor kurzem – auf Initiative des Amtsleiters – einen Beschluss zur Förderung der Anschaffung von Dienst-Fahrrädern für Gemeindemitarbeitende.
Auch gab es vor einigen Jahren Radverkehrworkshops, nach denen sich vier Personen als Radverkehrsbeauftragte meldeten und vom Gemeinderat offiziell als solche ernannt wurden. Leider sind aber sämtliche Radfahrbeauftragte nach kurzer Zeit zurückgetreten und bis heute keine neuen ernannt worden. Die Rahmenbedingungen scheinen nicht so zu sein, dass engagierte Personen das freiwillige Amt längerfristig ausüben können bzw. wollen. Es wäre wichtig, dass sich die Gemeindeführung anschaut: Was können wir tun, um da Abhilfe zu schaffen? Wie können wir Radverkehrsbeauftragte so einbinden, dass sie sich wertgeschätzt fühlen und dranbleiben?
Eine wertvolle Initiative zur Aufwertung des Radverkehrs wurde kürzlich vom Fraktionsobmann der Grünen angestossen: Die Fraktionsobleute des Gemeinderats luden auf seine Initiative für den 16. April zu einer GEHmeindeRAdSitzung ein. Eine tolle Aktion, bei der die Gemeinderatsmitglieder dazu aufgerufen sind, zu Sitzung per Rad oder zu Fuss anzureisen. Auf dem Foto der Teilnehmenden waren 17 von 19 Gemeinderatsmitglieder zu sehen. Ein voller Erfolg, der hoffentlich bei den nächsten Sitzung wiederholt wird.
Öffentlicher Verkehr: Funkstille

Beim öffentlichen Verkehr (Busse) schaut es mit den politischen Aktivitäten hingegen nicht gut aus. Seit mehreren Jahren gibt es an Wochenende und an Feiertagen keine Busse mehr nach Haag. Alle Gemeinderatsfraktionen hätten die Möglichkeit, hier die Initiative zu ergreifen und Anträge einzubringen. Mit sind aber leider keine Initiativen von Gemeinderatsfraktionen oder Beschlüsse des Haager Gemeinderats bekannt, in denen sich die Fraktionen oder Gesamt-Gemeinderat an das Land OÖ, den OÖ Verkehrsverbund oder ihre Fraktionen im OÖ Landtag wenden, um Aktivitäten einzufordern. Das ist schade, denn es würde klar zeigen, dass dem Gemeinderat der Klimaschutz und eine gute Erschließung von Haag mit öffentlichen Verkehrsmitteln wichtig sind.
Ich habe am 2. Juni 2024 bezüglich der fehlenden Busanbindung an Sonn- und Feiertagen an den Tourismusausschuss gewendet, mit folgenden Fragen:

Nach mehrmaligem Nachfragen erhielt ich schlussendlich eine Antwort des ÖVP-Obmanns des Ausschusses. Er schrieb, dass er mich Sie höflich darauf hinweise, dass sich die Mitglieder des Tourismusausschuss darauf konzentrierten, die kommende Zeit gezielt und zukunftsorientiert zu nutzen. Für mich ist es so: Klimaschutz und Mobilität für alle SIND gezielt und zukunftsorientiert. Autozentrierte Planung – so wie sie der Tourismusausschuss an der Luisenhöhe verfolgt(e) – ist das Gegenteil. Mittlerweile ist der Obmann zurückgetreten und das Amt wurde am 5. März 2026 vom ÖVP-Bürgermeister übernommen. Dieser hat sich von der bisherigen Linie des Tourismusausschusses bis dato nicht distanziert hat. Ich hoffe, dass von Seiten anderer Fraktionen demnächst Initiativen erfolgen, um überfällige Initiativen zugunsten einer Erschließung von Haag an Sonn- und Feiertagen voranzutreiben.
Eins ist jedenfalls sicher: Es gibt in Haag noch sehr viel Potenzial für Aktivitäten zugunsten von Klimaschutz durch umweltfreundlicheren Verkehr. Sie dienen unserer Gesundheit, dem Bodenschutz und einer Mobilität für alle.
Zum Weiterlesen
Quellen
Website Klimadashboard, abgerufen am 5.4.2025
Klimadashboard Haag am Hausruck, abgerufen am 5.4.2025
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