Fragen stellen war erlaubt, wenn nicht gerade etwas anderes befohlen war. Fragen betreffend unsere Aufgabe. (…) Fragen zu stellen, gewöhnte man sich ab. (1)
Ein guter Gradmesser, wie demokratisch und wertschätzend es in einer Gemeinde, an einem Arbeitsplatz, in einer Partei, in einem Verein, in einer Beziehung usw. zugeht, sind die Reaktionen auf Fragen – insbesondere auf unbequeme.
Dort wo gemeinsam auf Augenhöhe gearbeitet & gelebt wird, sind Fragen willkommen. Wo hingegen eine Person oder Personengruppe für sich in Anspruch nimmt, die Mitte / den richtigen Kompromiss / das rechte Mass gefunden / die richtige Deutung der Situation usw. gefunden zu haben, wird es schwierig mit dem Fragen stellen. Sie werden dann in meiner Erfahrung sehr schnell als Angriff empfunden – und nicht als Lösungsbeitrag.
Was ist gefragt?
Dort wo kritisches Hinterfragen nicht erwünscht ist, wird oft Gehorsam erwartet. Max Frisch beschreibt die Funktionsweise von Gehorsam in seinem „Dienstbüchlein“ u.a. so:
Wer sich beklagt, ob zu Unrecht oder zu Recht, fällt am meisten auf. Das weiss man bald. Wer sich nie beklagt, hat sich am wenigsten zu beklagen. Es gibt ein Beschwerde-Recht, auch das weiss man. Steht Aussage gegen Aussage, so gilt die Aussage des höheren Dienstgrades. Ich habe nie ein Beschwerde eingereicht. (2)
Ich glaube nicht, dass blinder Gehorsam uns weiterbringt. Ich bin überzeugt, dass die besten Lösungen dort entwickelt werden, wo gefördert und geschätzt wird, dass Menschen kritisch mitdenken – und fordernde Fragen stellen. Darum das auch weiterhin tun.
Quellen der Zitate
(1) Dienstbüchlein. Max Frisch. suhrkamp taschenbuch. 1974. S. 78
(2) Dienstbüchlein. Max Frisch. suhrkamp taschenbuch. 1974. S. 41
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