Ist nur die grüne Wiese gut genug?

Die einen Menschen interessieren sich für bestehende Häuser, in deren Gärten Obstbäumen wachsen. Die andere für Baugründe, für deren Gärten Obstbäume gerodet werden. Im öffentlichen Interesse ist Ersteres.

Die Mitglieder des Haager Gemeinderats stehen heute Donnerstag, 11. Juni 2026 vor einem Richtungsentscheid: Sie können gleich in mehreren Punkten zeigen, wofür sie stehen.

Richtungsentscheid Nr. 3:

Ist für nur ein Neubau auf der grünen Wiese gut genug?

In Haag sind in den letzten Jahren immer wieder Einfamilienhäuser unterschiedlicher Preisklassen auf den Markt gekommen. Auch heute in der Immobilienrubrik der Website der Gemeinder Haag/H. ein Einfamilienhaus zu finden. Gleichzeitig beharrt der Haager Bürgermeister auf seinem Antrag, dass ein Obstgarten in seinem Besitz in Bauland umgewidmet wird. Der Gemeinderat unterstützt ihn bis dato darin.

Das wirft die Frage auf: Geht es hier gar nicht um die Möglichkeit, in einem Einfamilienhaus zu wohnen – sondern darum, dass nur das Beste und Neueste gut genug ist?

Ist es Aufgabe des Gemeinderats, Sonderwünsche zu erfüllen?

Zur Erinnerung: Die Obstgarten-Umwidmung ist extrem heikel. Es handelt sich um Grünland im Privatbesitz eines amtierenden Bürgermeisters und die Idee wurde u.a. von Gemeinderatsmitgliedern mitangestossen. Das müsste eigentlich schon genügen, damit die Mehrheit des Gemeinderat sagt: Finger weg von so einem Projekt! Leider ist dem nicht so.

Vielleicht hilft Folgendes, dass einige Gemeinderatsmitglieder ihre bisherige Position überdenken: Es gibt in Haag mindestens einen gesicherten Fall, in dem ein Einfamlienhaus mit Garten zum Verkauf ausgeschrieben wurde – und sich kein einziges Mitglied der Gruppe der Menschen um einen Kauf bewarb, die angeblich von Haag wegziehen müssen, wenn der Gemeinderat nicht einen Obstgarten des Bürgermeisters in Baugrund umwidmet.

Aufgabe des Gemeinderats (inkl. Bürgermeister) ist es nicht Sonderwünsche junger Menschen zu erfüllen – sondern die Lösungen zu wählen, die uns allen dienen. Da schneidet der Kauf eines bestehenden Einfamilienhauses allemal besser ab, als ein Neubau auf der grünen Wiese.

Informiert. Ignoriert?

Ich habe den Bürgermeister über den gesicherten Fall informiert. Er zog seinen Umwidmungs-Antrag daraufhin leider nicht zurück. Hat er meine Information einfach ignoriert? Schaut nicht so aus. Sondern er scheint sich ganz bewusst dafür entschieden zu haben, dass er findet: Für die jungen Haager:innen, die mich um Umwidmung meines Obstgartens angefragt haben, ist nur ein neuer Baugrund auf der grünen Wiese (bzw. auf einem derzeitigen Obstgarten) gut genug. In seinem Leitwort der Gemeindezeitung vom Frühjahr 2026 erwähnte er jedenfalls verfügbare Einfamilienhäuser mit keinem Wort, sondern schrieb:

Der Haager Bürgermeister im Leitwort der Gemeinderzeitung vom Frühjahr 2026. Nun, wenig später, steht (erneut) auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung, dass ein Obstgarten des Bürgermeisters (auf seinen Antrag) im Bauland umgewidmet werden soll. Eine klare Trennung von Privatinteressen und der vom Bürgermeister zu vertrtenden öffentlichen Interessen sieht anders aus.

Mich schockiert das. Es gibt bereits bestehende Einfamilienhäuser zu kaufen. Die Menschen, die angeblich sonst wegziehen müssen bewerben sich nicht einmal darum. Und der Bürgermeister unterstützt das auch noch, indem er als Alternative den Antrag aufrechterhält, dass sein Obstgarten für diese Menschen umgewidmet wird. Er stellt in der Gemeindezeitung – in voller Kenntnis der Sachlage – den Mangel von Bauland als den Grund dafür das, dass junge Menschen nicht in Haag bleiben können. Er macht dies zu einem Zeitpunkt, zu dem er selber eine Umwidmung von privatem Grünland in Bauland beantragt hat – von der meines Wissens nach mindestens ein Gemeinderatsmitglied profitieren würde.

Um es nochmal klar zu sagen: Das ist für mich klar nicht im öffentlichen Interesse. Und genau die öffentlichen Interessen hat aber der Gemeinderat zu vertreten.

Notwendige Notbremse

Wird die Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder bei der Sitzung am 11. Juni 2026, die hier längst überfällig Notbremse dienen? Ich hoffe es sehr – und erachte es als ihre Verantwortung.


Quellen & zum Weiterlesen

Immobilienrubrik auf der Website der Gemeinde Haag am Hausruck. Abgerufen am 11. Juni 2026 – an dem in Haag am Hausruck u.a. ein Einfamilienhaus zum Kauf war.

Tagesordnung der Sitzung des Gemeinderats von Haag am Hausruck vom 11. Juni 2026

Taschenführer der Baummikrohabitate. WSL – Institut für Schnee- und Lawinenforschung. Abgerufen am 10.06.2026

Beurteilung des ökologischen und ökonomischen Wertes von Habitatbäumen in Wirtschaftswäldern am Beispiel des
Forstbetriebs Baden.
ETH – Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. Abgerufen am 10.06.2026 – enthält spannende Infos zum ökologischen Wert alter Bäume!

Massnahmenkatalog zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität in österreichischen Wäldern. Österreichisches Bundesministerium Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Abgerufen am 10.06.2026 – ist zwar für Wälder, die Infos zum ökologischen Wert von alten Bäumen sind aber auch für Obstgärten nützlich.

Veröffentlichung

10. Juni 2026

Änderungen

Letzte Änderung

10. Juni 2026