Theorie und Praxis

“Das griechisches Wort Theorie meint ursprünglich ein genaues Hinschauen und ein Nachdenken über das Geschaute.”

Esther Klein-Tarolli

Ich geh mal davon aus, dass alle, die das hier lesen, schon mal irgendwelche Lebensmittel irgendwo gelagert haben. Oder Kleider. Oder sonstige Dinge. Lagern tut man nämlich viel im Leben – und zwar eben genau das was ich beschrieben habe: Dinge. Einen Hund lagert man nicht. Und auch keinen Menschen. Die sind nämlich lebendig. Warum schreibe ich das?

In der Pflege (von Mitmenschen) ist oft von “Umlagern” die Rede. Wenn ich mir das nun genau anschaue und drüber nachdenke, dann stell ich fest: Ich rede hier von einem Menschen wie von einem Kartoffelsack. Und behandle ihn dann auch so. Nehm ihn bzw. sie und heb/leg/schieb/stoss ihn oder sie ein Stück rauf / runter / links / rechts. Und das führt dann dazu, dass eine Frau, mit der wir in einem Kurs genau das machten, Folgendes sagte: “Ich komm mir vor, wie ein Stück Fleisch.”

Und was hat das nun mit Theorie und Praxis zu tun? Wenn ich in der Theorie vermittelt bekomme: “Umlagern”, das ist ein Wort, das beschreibt Dinge und nicht Menschen und dass es drum besser ist von “Positions-Veränderung” zu sprechen – und erklärt bekomme wieso (ich vermittelt bekomme, wie auf solche Situationen hinschauen und worüber dabei nachdenken), dann kann ich in der Praxis dann den Menschen, die ich betreue besser gerecht werden. Statt sie so “umzulagern”, dass sie sich vorkommen wie ein Stück Fleisch, kann ich ihre Position so verändern, dass sie sich Mensch fühlen – jemand Lebendiger und Wertgeschätzter.

Zum Weiterlesen:
Leitfaden Bewegtes “Lagern”. Positions-Unterstützung nach Esther Klein-Tarolli. Anregungen für die Pflegepraxis, 2012, ISBN 978-3-928568-53-1
www.bewegtes-lagern.com
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