Fehlerkorrekturwesen

“Wir Menschen sind von Natur aus keine präzise handelnden Maschinen, welche in der Lage wären, eine Haltung direkt und fehlerfrei im Verhalten umzusetzen.”

Stefan Knobel (Krankenpfleger und Kinaesthetics-Ausbildner)

In den letzten Jahren ist mir im Rahmen meiner Ausbildung und Einsätze in der Pflege immer wieder das Konzept der Kinarsthetics begegnet. Es dient dazu, dass Bewegungen körperschonend ausgeführt werden (auf gut deutsch: u.a. dazu, dass man sich beim Arbeiten nicht den Rücken kaputt macht) . Ein Bild hat mich dabei besonders gesprägt: Kinaesthetics liefert keine Techniken, sondern ist ein gemeinsam erarbeiteter Weg. Ich erlebe immer wieder, wie der durch diesen gemeinsamen Weg ausgedrückte Respekt vor der gepflegten Person bei dieser direkt ankommt. Und das freut mich. Darüber hinaus finde ich darin die Haltung wieder, die ich versuche ganz allgemein im Leben zu leben.

Gestern stieß ich dann auf das Zitat oben und es hat mich an all die Fehler erinnert, die ich selber mache und die andere machen – und wie eben nicht die Fehler das Problem sind, sondern, dass wir sie nicht als Teil eines gemeinsamen Wegs anschauen. Das erlebe ich grade in Haag am Hausruck besonders schmerzlich.

Wir Menschen sind ja – so nennt es Stefan Knobel – in Bezug auf die Informationsverarbeitung geschlossene Systeme. Will heißen: Wir alle verarbeiten, das was andere Menschen an uns herantragen in uns drin – jeder und jede von uns auf eine uns ganz eigene Art und Weise. Und drum ist auch nie wirklich voraussehbar, wie das Gegenüber auf das reagieren wird, was ich an ihn oder sie herantrage. Und drum ist gefragt, dass wir uns aneinander herantasten – aufeinander so reagieren, dass wir einander immer mehr finden. Und schließlich eine Lösung finden. Ja, das verlangt Energie und Zeit. Ja, es mag bequemer sein “keine Zeit” zu haben für eine Klärung oder ein Gespräch. Nur leider ist es auch destruktiv und verletzend – und man lässt sich damit die Verbundenheit entgehen, die das Mensch-Sein so erfüllend macht.