Grenzverletzungen, Lebens-Gedanken, Mut, politische Sorgfalt

Das Gras bitte!

Ich habe die Angewohnheit genau hinzuschauen – und in Dingen zu graben, die andere gerne zudecken möchten. Manche dieser Dinge sind schon lange her, andere weniger lang – aber allen ist gemeinsam, dass man auch einfach das Gras drüberwachsen lassen könnte.

Doch kann man das wirklich? Ich glaube nicht.

Meine Erfahrung ist folgende: Probleme, die nicht gelöst werden, tauchen in (immer absurderen Formen) wieder auf. Und:  Je mehr man ein Problem unter den Teppich kehrt, deso schwieriger wird rauszufinden worum es geht.

Darum möchte ich nochmal drei wichtige Punkte in Erinnerung rufen, um die es mir im Zusammenhang mit meinem Parkplatz und dem touristischen Projekt geht, dass am Hang gegenüber stattfindet:

  • Ich möchte Transparenz: Dass klar ist welche Gelder wohin fliessen und wer davon profitiert (und zwar nicht nur durch Gewinn in Geldform sondern insbesondere auch durch Ansehen, Kontakte, Ämter,  etc.)
  • Ich möchte, dass Menschen NEIN sagen dürfen – dass ihre Grenzen respektiert werden.
  • Ich möchte Grünland erhalten.

Meine Grenzen werden an der Luisenhöhe seit 2013 immer wieder – z.T. massiv – überschritten. Diejenigen die dafür verantwortlich sind weigern sich systematisch zu ihrer Verantwortung zu stehen. Und dazu sage ich nein. Ich möchte Grünland erhalten – aber nicht um den Preis, dass man Gras über massive Grenzverletzungen wachsen lässt.

P.S.: Auf der Website der Universität Augsburg hab ich zum Thema “Gras über eine Sache wachsen lassen” vor Kurzem folgenden Artikel gefunden:


Oliver_-Dimbath
Auf den ersten Blick klingt es vernünftig, wenn man Gras über eine Sache wachsen lässt. Soziologe Dr. Oliver Dimbath sieht dies jedoch nicht so.

Wenn man Gras über eine Sache wachsen lassen will, steht man vor einem grundlegenden Problem. Etwas soll vergessen werden. Dies versucht man, indem man etwas – in diesem Fall Gras – über etwas deckt, das sonst einem Betrachter sogleich auffallen und in ihm eine unerwünschte Erinnerung heraufbeschwören würde. Das Vergessen-Machen als sozialer Vorgang besteht somit darin, dass ein Akteur nicht vergisst – er pflegt den Rasen – und andere vergessen sollen. Es liegt im Interesse des einen, die Erinnerung anderer zu verhindern. Gelingt ihm dies nachhaltig, wird sich das Erinnerungsinteresse der anderen möglicherweise zurückentwickeln. Sie vergessen den Anspruch auf Anerkennung oder Entschädigung sowie den Wunsch nach Genugtuung oder Rache. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass die Grasnarbe verletzt wird und ‘die Sache’ wieder zum Vorschein kommt. Und zweitens kann es vorkommen, dass irgendetwas anderes auf das ‘Ding’ unter dem Gras hinweist, indem es den Vorübergehenden stört oder verängstigt. Selbst wenn erfolgreich vergessen wurde, kann die Irritation durch ein solches ‘Gespenst’ so groß sein, dass Nachforschungen angestellt werden. Wirkungsvoller scheint es daher zu sein, schlimme Vergangenheiten aufzuarbeiten. Gras über die Sache wachsen zu lassen, ist eine eher riskante Strategie. Durch eine derartige Form von Vergangenheitskosmetik schafft man die Voraussetzung für Probleme in einer näheren oder ferneren Zukunft.