Spring doch mal über deinen Schatten. Das sagt sich leicht. Doch haben wir wirklich das Recht, jemand zu sagen, wie er oder sie zu sein hat – nur weil dieser Mensch sich anders verhält als wir selber?
Im Buch „Schattenspringer“ erzählt Daniela Schreiter in Form eines Comics über ihr Leben mit Autismus. Das Gehirn von Menschen mit Autismus tickt anders als das von Menschen ohne Autismus. Doch ist es deshalb schlechter? Für mich ist die Antwort klar: Nein.
Daniela Schreiter schreibt über ihre Sorge, dass andere ihre Grenzen nicht verstehen und man gezwungen wird, so zu wirken wie alle anderen. An Ratschlägen mangelt es nicht: „Reiss dich zusammen“, „Spring über deinen Schatten“ usw.
Es gibt nicht DEN Autismus. Autismus ist ein Spektrum, was bedeutet, dass sich Menschen mit Autismus sehr voneinander unterscheiden. Der aktuelle, offizielle Begriff ist Autismus-Spektrum-Störung, kurz ASS.
Daniela Schreiter hat diese Abkürzung in ihrem Buch voll kreativ eingesetzt. Sie schreibt: „Autisten sind in Vielem ein ASS“. Es ist für uns alle – Menschen mit und ohne Autismus – wichtig, dass wir unsere Schwächen akzeptieren, zu ihnen stehen und lernen mit ihnen umzugehen.
Genauso wichtig ist es, dass wir unsere Stärken ausspielen und stolz auf sie sind. Menschen mit Autismus haben viele Stärken. Daniela Schreiter zählt in ihrem Buch folgende auf: Hohe Detailwahrnehmung, Zuverlässigkeit, Lovalität, Exaktheit, logisches und rationales Denken, hohes Wahrnehmungsvermögen, Vorliebe für Systematik und Struktur, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, Hang zu autodidaktischem Lernen, gutes Gedächtnis, Ehrlichkeit, hohe Motivation, besonders bei Spezialinteressen.
Autismus macht unsere Gesellschaft vielfältiger – und verdient Wertschätzung.
Quelle
Schattenspringer. Wie es ist, anders zu sein. Daniela Schreiter. Panini Comics. 12., überarbeitete Auflage. Juli 2024.
Zum Weiterlesen
Veröffentlichung
Änderungen
- —
Letzte Änderung