Musterhafte Müllentsorgung

Gefunden auf der Suche nach der Adresse der ÖVP Haag am Hausruck

! Achtung Satire !

Hab ich doch im August in Haag/H. einige Artikel aus der Parteizeitschrift der ÖVP Haag am Hausruck fotografiert und stolpere heute drüber. Es stechen mir zwei Artikel des Vizebürgermeisters ins Auge. Im ersten fordert er Wertschätzung für die Bäuerinnen und Bauern ein. Da bin ich voll dafür. Nur verstehe ich Folgendes nicht: Genau dieser Vizebürgermeister hat im Gemeinderat wiederholt dafür gestimmt hat, dass Landwirtschaftsland in Bauland bzw. Betriebsbaugebiet umgewidmet wird. Vielleicht verfolgt er ja folgende Strategie: Ich sorge dafür, dass es immer weniger Landwirtschaftsland gibt, dann gibt es auch immer weniger Bäuerinnen und Bauern. Und dann wird Bevölkerung es ja wohl schaffen, die paar, die übrig bleiben wertzuschätzen. Das ist natürlich nur eine Vermutung. Genauso gut kann sein, dass ich seine Logik einfach nicht kapiere.

Jedenfalls: Les ich dann weiter, im zweiten Artikel des Vizebürgermeisters, in dem er schildert, wie er nicht versteht, dass die Menschen einfach Abfall neben die Strasse werfen. Das erinnert mich wiederum daran, dass die Gemeinde früher mal einfach all ihren Müll in Gräben auf dem Hof meiner Eltern geschmissen hat – die mittlerweile mir gehören. Und dass als ich bei der Gemeinde Anfang November 2017 anfragte, dass man die diesbezügliche rechtliche Lage klärt – konkret fragte ich um ein Treffen, wo wir das besprechen – der Entwicklungsausschuss des Gemeinderates – dessen Mitglied der Vizebürgermeister ist und in dem seine Partei (=ÖVP Haag am Hausruck) die Mehrheit hat – folgendes beschloss hat: Statt mich zu treffen, geben sie mit Steuergeldern ein Rechtsgutachten in Auftrag. Wahnsinnig wertschätzend fand ich das nicht. Um auf oben zurückzukommen. Wobei der Vizebürgermeister – das muss man der Korrektheit halber dazusagen – ja auch nur Wertschätzung für Bäuerinnen und Bauern eingefordert hat. Nicht für alle Menschen.

Zurück zum mit Steuergeldern (u.a. von mir) finanzierten Rechtsgutachten. Man fand es nicht der Mühe wert, mich zu informieren, dass es angekommen ist. Ich erfuhr es Anfang Mai, als mir der Bürgermeister auf Nachfrage sagte es sei angekommen, aber er hätte noch nicht Zeit gehabt, es anzuschauen. Als ich einige Monate später nochmal nachfragte erfuhr ich schließlich vom Bürgermeister, dass der Gemeindevorstand – in dem der Vizebürgermeister ebenfalls vertreten ist – beschlossen hat, dass er es mir das Rechtsgutachten über meine Grundstücke nicht zeigen darf. Wenig später behauptete der Bruder vom Bürgermeister – seines Zeichens Vorsitzender im Entwicklungsausschuss – der Rechtsanwalt habe das Gutachten noch gar nicht geschickt (obwohl es gemäß Bürgermeister zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr 4 Monaten auf der Gemeinde ein rumliegendes Dasein fristete). Der Bürgermeister sagte dann zu mir, er glaube nicht, dass sein Bruder lüge – er vermute eher, dieser habe seit Monaten nicht mehr ins Fach von seinem Ausschuss geschaut und drum das Guthaben nicht entdeckt. Letztere Aussage hat mich – ehrlich gesagt – nicht wahnsinnig beruhigt in Bezug auf die Art und Weise wie die Gemeinde Haag am Hausruck geführt wird.

Jedenfalls – zurück zum Vizebürgermeister: 15 (!) Monate nach meiner Bitte um ein Treffen schrieb mir dann der Entwicklungsausschuss – in dem der Vizebürgermeister ja wie gesagt vertreten ist und er hat den Brief auch mitunterschrieben -, dass sie zum Schluss gekommen sind, dass von den ehemaligen Gemeindedeponien Gefahr ausgeht (genauer gesagt schrieben sie: keine erhebliche Gefahr, was im Umkehrschluss ja heißt sie sind gefährlich, weil sonst hätten sie gschrieben: keine Gefahr) und dass sie drum Folgendes tun: Nichts. Anders gesagt: Die Gemeindevertreter haben den den Müll auf meinen Grund geschmissen und sind einfach weitergefahren und fühlen sich weder dafür verantwortlich noch zuständig. Genau wie die Autofahrenden, die den Müll heute neben der Strasse liegen lassen. Bevor der Vizebürgermeister also kritisiert wie andere mit dem Müll umgehen, sollte er sich vielleicht überlegen, ob er es nicht selber – in seiner Eigenschaft als Vizebürgermeister, Mitglied von Entwicklungsauschuss und Gemeindevorstand – genauso macht. Denn die Menschen hören meist nicht das was man ihnen predigt, sondern schauen sich an, was man selber tut – und tun dann dasselbe.

Und was hat das nun mit irgendeiner Musterhaftigkeit zu tun? Nun, ganz einfach – oder eher: kompliziert. Als ich las, was der Vizebürgermeister geschrieben hat, beschloss ich ihm einen Brief mit meinen Gedanken zu schreiben (ich hätte natürlich auch ein Rechtsgutachten in Auftrag geben können, aber ich schreib halt lieber). Dazu brauchte ich die Adresse der ÖVP Haag am Hausruck, weil er ja in deren Parteizeitschrift geschrieben hatte (und ich sein Privatleben respektieren wollte). Nur hatte ich blöderweise im August das Impressum von der Parteizeitschrift nicht mitfotografiert und die Zeitschrift war nun in Österreich und ich in der Schweiz. Davon ließ ich mich nicht abbringen. Ich lass mich ja generell nicht so schnell von was abbringen.

Also: Zuerst suchte ich nach einer Website der ÖVP Haag am Hausruck: Fehlanzeige. Dann durchforstete ich mein Archiv und tatsächlich: nach einigem Suchen fand ich eine Ausgabe der Parteizeitschrift der ÖVP Haag am Hausruck aus dem Jahr 2015 MIT Impressum. Dort dann stand allerdings nur ÖVP Haag, keine Strasse. Das fand ich nicht so wahnsinnig hilfreich. Dann sah ich: Da wurde zusätzlich noch auf die ÖVP Grieskirchen verwiesen. Juhu! – dachte ich – die haben sicher eine Website! Freudig suchte ich also im Internet nach der Website der ÖVP Grieskirchen – in der Erwartung dort umgehend die Kontaktadresse der ÖVP Haag am Hausruck zu finden. Ich fand dann auch tatsächlich eine Adresse in deren Impressum und zwar: ÖVP Musterhausen. 123 Musterort. Eine Musterfrau wurde auch noch erwähnt. Irgendwie bezweifelte ich, dass ein Brief mit diesen Informationen ankommen würde.

Und so kam es, dass dieser Text auf dem Internet landete. Dort ist zwar – das gebe ich voll zu – auch nicht sicher, dass er je beim Vizebürgermeister ankommt. Aber zumindest wird dadurch verhindert, dass die Briefträgerin den Brief vor lauter Verzweiflung über die unklare Adresse aus dem Auto schmeißt und der Vizebürgermeister sich über noch mehr Abfall neben der Strasse ärgern muss.

Ende der Satire

Quelle: “Hallo Haag”, Juli 2019 &Dezember 2015, Website der ÖVP Grieskirchen (abgerufen am 8.10.2019)